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Kill the Messenger
Kill the Messenger
© Focus Features

Kritik: Kill the Messenger (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Kill the Messenger" ist der erste Film von Regisseur und Drehbuchautor Michael Cuesa seit "Roadie" von 2011. Die letzten Jahre war er überwiegend als Regisseur einzelner Episoden der Serie "Homeland" tätig. Der Film, der bereits im Sommer 2013 überwiegend in Atlanta und Georgia gedreht wurde, befasst sich mit einem entscheidenden Abschnitt bzw. Kapitel im Leben des berühmten U-Investigativ-Journalisten Gary Webb. Webb gewann für seine aufdeckenden Berichte und Geschichten sogar den Pulitzer-Preis, bezahlte sein rastlos Leben, in dem er sich auch immer wieder Drohungen und Verfolgung ausgesetzt sah, aber möglicherweise mit dem Tod: Im Jahr 2004 wurde er tot aufgefunden, die Todesursache waren zwei Kopfschüsse. Die Hauptrolle in "Kill the Messenger" spielt Superstar Jeremy Renner, der den Film auch co-produzierte.

Es ist jederzeit packend und mitreißend mit anzusehen, wie Webbs berufliches, wie auch privates Leben immer mehr und unaufhaltsam aus den Fugen gerät, nachdem die ersten Berichte seiner berühmten Artikel-Serie erschienen sind. Schon nach kurzer Zeit sieht sich Webb krassen Hetz- und Schmierkampagnen ausgesetzt, ein Mann, der sich seit Beginn seiner redaktionellen Karriere der Wahrheit und Aufdeckung illegaler Operationen sowie Staatsangelegenheiten verpflichtet sah. Nicht nur zwielichtige Gangster und die im Mittelpunkt der Artikel stehende, große CIA selbst wenden sich fortan gegen Webb, auch seine Berufskollegen schießen scharf gegen ihn.

Wenn die eigenen Kollegen in der Redaktion oder die Mitarbeiter anderer, wichtiger Konkurrenzblätter Webb im Film aufs heftigste beschimpfen, schikanieren und denunzieren anstatt der Geschichte selber weiter auf den Grund zu gehen und die Schuldigen aufzudecken, dann ist das kaum zu fassen und gehört gleichsam zu den emotional beklemmendsten Momenten des Films.

Aber genau so spielte es sich Mitte der 90er-Jahre ab. Und "Kill the Messenger" versteht es ausgezeichnet, die nicht immer ganz einfache, recht komplexe Story realistisch und sehr authentisch auf Zelluloid zu bannen. Um alle Zusammenhänge und Verflechtungen genau nachvollziehen und verstehen zu können, muss man als Betrachter aber aufmerksam und interessiert bei der Sache bleiben. Jeremy Renner liefert eine großartige schauspielerische Darbietung als ein wenig (und zu Beginn allzu) blauäugiger, äußerst idealistischer Journalist, der das Ausmaß und die Folgen seiner Recherchen bei weitem noch nicht abschätzen kann.

Der Film ist zudem garniert mit einer ganzen Reihe an illustren, bekannten Darstellern, von Andy Garcia über Robert Patrick bis hin zu Martin Sheen. Deren Figuren (u.a. ein im Gefängnis einsetzender Gleichgesinnter von Webb) bleiben aber zu weiten Teilen blass und sind austauschbar. Was man sich auch hätte sparen können: der Film zeigt auch in Ansätzen die Auswirkungen der Denunzierungen auf Ehe und Privatleben von Webb. Dieser Aspekt des Films bzw. dieses Storyelement, das dem Film immer wieder eine Wendung hin zum emotionalen Ehe-Drama zu geben versucht, so scheint es, wirkt deplatziert und ist unnötig, das es letztlich nur angedeutet und nicht ausführlich beleuchtet wird.

Fazit: Solides, über weite Strecken hochspannendes Thriller-Drama mit einem überzeugenden Jeremy Renner. Die konturlosen und blassen Nebenfiguren sowie die erzählerisch inkonsequent dargebotenen Ausflüge ins Privatleben der Hauptperson mildern jedoch den Gesamteindruck.





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