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Tilt - Hauptplakat
Tilt - Hauptplakat
© barnsteiner-film

Kritik: Tilt (2011)


Mit seinem neuesten Werk "Tilt" gelang dem bulgarischen Regisseur und Autor Viktor Chouchkov vor zwei Jahren der große Wurf. So gewann der Film auf dem unabhängigen Filmfestival Raindance den Preis der Jury. Im Anschluss trat er seinen Siegeszug durch die internationale Festivalszene an. In Bulgarien entwickelte sich der Film mit 140 000 Besuchern zu einem der erfolgreichsten heimmischen Produktionen aller Zeiten. Diese Erfolge führten schließlich dazu, dass der Film als bulgarischer Vertreter bei den "84. Academy Awards" in der Kategorie "Bester nichtenglischsprachiger Film" eingereicht wurde. Mit viel Gespür für seine Figuren und die Inszenierung schuf Chouchkov mit "Tilt" eine leidenschaftliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines politischen und gesellschaftlichen Umbruchs.

Die Bilder vom Sofia der ausgehenden 80er-Jahre sind trist, karg und kalt. Auf einem trostlosen Hof hängt der junge Stash mit seiner Clique ab, sie vertrödeln sich die Zeit mit Skaten und schreiben rebellische Slogans an Hauswände. In den Parks der Stadt verticken sie illegal kopierte Pornos. Oft entkommen sie nur knapp der Staatsgewalt, die ihnen stets dicht auf den Fersen ist. In den ersten Minuten versucht Regisseur Chouchkov mit seinen trostlosen, in freudlosem grau gehaltenen Bildern exakt die Stimmung zu treffen und widerzuspiegeln, die unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in vielen osteuropäischen Ländern vor dem Fall des Eisernen Vorhangs und der politischen Öffnung vorgeherrscht haben muss. Er porträtiert mit "Tilt" letztlich auch eine verlorene, betrogene Generation, die nie wirklich irgendwo angekommen ist, und gegen eine unterdrückende und einschränkende Staatsgewalt stets um ihr Recht auf Leben und Liebe kämpfen musste. Chouckkov findet dazu die passende Bildsprache.

Die zweite große Stärke von "Tilt" sind die Darsteller. Yavor Baharov und Radina Kardjilowa verkörpern überzeugend Stash und Becky, ein Liebespaar, das sich politischer Veränderung, Korruption und sozialer Unterdrückung ausgesetzt sieht und dennoch versucht, ein glückliches Leben miteinander zu führen. Hinsichtlich der Tatsache, dass Beckys Vater - ein korrupter ranghoher Politker - die Beziehung der Beiden mit aller Macht verhindern will, alles andere als leicht. Authentisch und mit viel Hingabe füllen Baharov und Kardjilowa ihre Rollen aus. Lediglich das ein wenig kitschig geratene Ende, wenn der Liebe wegen die Freiheit geopfert wird, stößt ein wenig ärgerlich auf.

Fazit: "Tilt" ist ein mit rauen Bildern ausgestattetes, stark gespieltes Liebes-Drama vor dem Hintergrund eines politischen und gesellschaftlichen Umbruchs.




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