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Kritik: Annie (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die als Broadway-Musical bekannt gewordene Geschichte, die in den 1930er Jahren spielt und 1982 von John Huston verfilmt wurde, erstrahlt in dieser Komödie in völlig neuem Glanz. Regisseur und Drehbuchverfasser Will Gluck und seine Co-Autorin Aline Brosh McKenna versetzen die Abenteuer der armen, elternlosen Annie in die Gegenwart New Yorks. Hier führt der Handy-Tycoon Will Stacks seinen Bürgermeister-Wahlkampf mit viel Social-Media-Einsatz: Da macht es sich nicht gut, wenn im Internet zu sehen ist, wie er den Kartoffelbrei bei einer Obdachlosenspeisung ausspuckt. Aber wenn Will mit einem glücklich lächelnden Pflegekind posiert, dem er ein neues Zuhause bietet und sogar einen Hund schenkt, dann muss sich der Gegenkandidat ernsthafte Sorgen machen. Der frische Dialogwitz verteilt großzügig ironische Seitenhiebe auf Geschäftemacherei, Rührseligkeit und selbst hochaktuelle Themen wie Datenspeicherung in der Telekommunikation.
Bereits die erste Szene stellt klar, dass der Film mit den angestaubten Klischees der Annie-Geschichte bricht: In der Schule beendet ein Mädchen mit diesem Namen, das rote Locken hat, sein Referat mit ein paar Tanzbewegungen. Das Publikum ist sich sicher, die richtige Annie vor sich zu haben, aber dann wird ein schwarzes Mädchen mit dem gleichen Namen aufgerufen. Sie trägt ihr Referat als drahtige Stegreif-Performance vor, in die sie die ganze Klasse einbezieht. Diese Annie würde sich in jedem Werbespot, der mit Hip-Hop-Elementen spielt, gut machen. Die quicklebendige Quvenzhané Wallis ("Beasts of the Southern Wild") bewegt sich in der großen Stadt wie ein Fisch im Wasser und selbst wenn sie einmal weint, sieht das eher wütend aus, als hilflos. Frischer Pep durchzieht auch die eher sparsam-dezenten Choreografien zu den neu arrangierten Musical-Liedern, die von drei weiteren Kompositionen ergänzt werden. Die Menschen lieben es, weiß eine selbstironische Dialogzeile, "wenn ohne Grund ein Lied geschmettert wird".
Zunächst führt Quvenzhané Wallis durch die Geschichte wie durch ein Pop-Video, vor lauter Unbekümmertheit schon etwas abgehoben. Aber bald greift ihr natürlicher Charme, in Kombination mit den pfiffigen Dialogen und vor allem mit ihrem Filmpartner Jamie Foxx. Dieser meistert die Verwandlung vom emotionsarmen Unternehmer zum kinderlieben Ersatzvater höchst sympathisch. Die beiden Darsteller bilden ein hervorragendes Gespann. Für kernigen Humor sorgt Cameron Diaz als Miss Hannigan, eine wahrlich verkrachte Existenz. Sie verkörpert lustvoll sämtliche Klischees der Sozialschmarotzerin. Den Eindruck einer gelungenen Modernisierung der Geschichte verfestigen Hubschrauberflüge über die Wolkenkratzer und eine spannende Action-Zuspitzung am Schluss.

Fazit: Der zeitlose Kern des Broadway-Musicals "Annie" wird in dieser frischen Verfilmung in das New York der Gegenwart versetzt. Die gut aufgelegten Schauspieler, der freche Dialogwitz und der unbeschwerte Mix aus Gesang und etwas Action sorgen für ansprechende Unterhaltung mit Herz.




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