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Wochenendkrieger
Wochenendkrieger
© Neue Visionen

Kritik: Wochenendkrieger (2012)


Der Dokumentarfilm "Wochenendkrieger" von Andreas Geiger taucht in die für Außenstehende ziemlich merkwürdige Welt der Liverollenspiele ein. Der informative Film porträtiert fünf verschiedene Spieler in ihrem realen Alltag und beobachtet sie auch, wenn sie ihre Fantasycharaktere verkörpern. Eine spannende Dramaturgie entsteht, indem nebenbei in Etappen eine Geschichte vom Kampf ums Auenland, die Heimat der Elfen, erzählt wird. In diesem Szenario erhalten alle fünf Protagonisten eine Rolle.

Nicole, Chris, Sven, Gregor und Dirk sind in der Realität fest verankert und üben ganz normale Berufe aus. Aber in der Freizeit tauchen sie in eine ganz andere Welt ein, die für sie Ausgleich, Inspiration und eine Möglichkeit ist, ihre Kreativität zu entfalten. Nicole zum Beispiel hat schon als kleines Mädchen gerne Geschichten erfunden. Für die Spiele, die manchmal Hunderte oder gar Tausende von Teilnehmern umfassen, gibt es zwar einen vorgegebenen, groben Handlungsablauf, aber ihre Auftritte können die einzelnen Charaktere im Detail selbst gestalten.

Die Gestaltung der eigenen Kostüme und der Masken ist für die Spieler fast ebenso wichtig wie das eigentliche Event. Die Kamera beobachtet die fünf Protagonisten daheim bei der Anprobe und verfolgt mit, wie sie dabei den Alltag abstreifen. Sven verlässt die nüchterne, moderne Welt der Auto-Montagehalle auch im Geiste, wenn er zuhause am Aussehen seiner buckeligen Gärtnerfigur feilt oder seinem zweiten Hobby, dem Basteln kleiner Figuren, nachgeht. Auch die anderen schätzen den Kontrast zwischen Spieluniversum und ihrer Rolle im realen Leben. Die böse Aniesha Fey hat nichts gemeinsam mit der Lehrerin, die Chris im Alltag ist und der Grünen-Sekretär Dirk, der sich als "ein Rädchen" in der Partei bezeichnet, genießt seine Macht als böser Freizeit-Fürst. Nicht nur er spricht offen vom Spaß an den Kämpfen zwischen Gut und Böse, an den klaren Schwarz-Weiß-Fronten. In Auenland, das auf einem Gelände am Steinhuder Meer bei Hannover aufgebaut wird, rüstet man zur großen Schlacht. Im Film schürt der Off-Erzähler mit bewegter Stimme die Spannung.

Aber nicht nur im Kampf finden die Spieler ihre Rollen reizvoll: Die Dialoge mit ihrer altertümlichen Sprache, die vielen einzelnen Kontakte mit anderen Charakteren erlauben es den Spielern, aus sich herauszugehen und ein anderes Verhalten auszuprobieren. Nicole zum Beispiel sagt, sie habe als Königin Lenora ihre Schüchternheit überwunden. Der Dokumentarfilm schildert die Welt der Liverollenspiele unvoreingenommen, als ein Hobby für Fantasiebegabte, die sich nicht auf das Hier und Jetzt ihres realen Alltags beschränken lassen wollen.

Fazit: Andreas Geigers Dokumentarfilm stellt Alltag und Hobby von fünf Liverollenspielern kontrastierend gegenüber und erforscht dabei die Begeisterung für gelebte Fantasy informativ und spannend zugleich.





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