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Wer schön sein will, muss reisen - Plakat
Wer schön sein will, muss reisen - Plakat
© dejavu filmverleih

Kritik: Wer schön sein will, muss reisen (2013)


Tine Wittler zeigt mit ihrer formal recht einfach gestrickten aber aussagekräftigen Doku, dass es allgemeingültige Schönheitsideale nicht gibt. Sie zu formulieren ist ebenso absurd, wie kleine Kinder mit Mastpillen und Appetitanregern vollzustopfen, um sie dem geltenden Ideal näher zu bringen. Genau das passiert mit jungen Mädchen in dem westafrikanischen Staat, um später auf dem Heiratsmarkt durch Fettleibigkeit an Wert gewinnen zu können. Frauen gelten dort nur als schön, wenn sie korpulent sind. Eine schlanke Frau mit aufreizenden, sinnlichen weiblichen Rundungen würde bei den dortigen Männern eher auf weniger Interesse stoßen. Es ist Tine Wittler hoch anzurechnen, dass sie sich voll und ganz auf die in Mauretanien geltenden Ideale und Traditionen einlässt, um die Frauen vor Ort besser verstehen und nachempfinden zu können. Wittler wollte vor Ort in Afrika die Realität erkunden – und auch am eigenen Leibe erfahren. Sie kleidete sich wie die mauretanischen Frauen, führte lange, intensive Gespräche mit ihnen und machte sogar versuchsweise eine Zwangsmästung mit, um zu erkennen, welche körperlichen Qualen die Frauen hierbei erleiden müssen.

"Wer schön sein will, muss reisen" erfindet zwar das Rad nicht neu, macht auf ansprechende und mitunter erschreckende Art aber deutlich, dass es sich bei den porträtierten Frauen um mutige und selbstbewusste Personen handelt, die sich kämpferisch präsentieren und zu keinem Zeitpunkt aufgeben. Auch macht der Film wie bereits erwähnt klar: Allgemein gültige Schönheitsideale kann man nicht formulieren, da es sie schlicht und ergreifend einfach nicht gibt.

Schönheit ist an das Innere im Menschen und an seine jeweilige Individualität gebunden. Daneben spielen Faktoren wie Kultur, Zeit, und Ort eine tragende Rolle wenn es darum geht, Ideale zu formulieren. Allein dieser Erkenntnisgewinn macht aus "Wer schön sein will, muss reisen" einen wichtigen Film.

Fazit: Mutige Doku und extrem persönliche Auseinandersetzung mit der weiblichen Körperlichkeit, die verdeutlicht, dass es allgemein gültige Schönheitsideale nicht gibt.




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