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The International Criminal Court
The International Criminal Court
© Bukera Pictures

Kritik: The International Criminal Court (2012)


Marcus Vetter ist ein Experte auf dem Gebiet des Dokufilms. Vor der Arbeit an "The International Criminal Court" machte er bereits mit zwei Dokumentationen über den israelisch-palästinensischen Konflikt und die Lebensumstände in Jenin von sich Reden. In seinem neuesten Werk steht die Arbeit des ICC im Mittelpunkt, dessen Arbeitsweise und Alltag er aus der Sicht seines Chefanklägers schildert. Seine Welt-Premiere feierte "The International Criminal Court" im Frühjahr dieses Jahres, bezeichnenderweise in Den Haag auf dem "Amnesty International Filmfestival" unter dem Motto "Movies That Matter". Vetter legt hier jedoch keine vollends gelungene Dokumentation vor. Zwar zeichnet er ein spannendes Bild von der zermürbenden, harten Arbeit der Mitarbeiter des ICC, die Präsenz von Chefankläger Moreno-Ocampo sowie die fehlenden Erläuterungen und Erklärungen zum Gezeigten trüben jedoch den Gesamteindruck merklich.

Zum ersten Mal erhielt ein Filmteam uneingeschränkten Zugang zu den Verantwortungsträgern und Räumlichkeiten des ICC in Den Haag und war somit ganz an dieser noch recht jungen Institution dran. Hauptfigur in "The International Criminal Court" ist Chefankläger Moreno-Ocampo, den Regisseur Vetter insgesamt knapp drei Jahre auf Schritt und Tritt begleitete: egal, ob auf Reisen, im Büro, bei Sitzungen oder der PR-Arbeit des ICC - Vetter war hautnah dabei und das macht auch den großen Reiz dieser Doku aus. Durch die genauen Beobachtungen wird dem Zuschauer sehr schnell klar, worin die große Problematik Gerichtshofs bei der Ausführung seiner Tätigkeit besteht: das sind zum einen die langwierigen, komplizierten Abläufe der Prozesse sowie die Werbung um den Beitritt neuer Mitgliedstaaten.

Das Problem des Films ist jedoch die Rolle, die Chefankläger Moreno-Ocampo hier einnimmt. Der Argentinier ist ein selbstsicherer, eloquenter und charismatischer Jurist, dem der Film deutlich zu viel Raum einräumt. Dadurch werden eigentlich wichtige und relevante Aspekte und Infos nicht berücksichtig und einfach ignoriert. Interessant wären z.B. mehr Informationen über die Geschichte und grundsätzlichen Ziele des ICC gewesen. Dies ignoriert Regisseur Vetter jedoch völlig. Auch verzichtet er auf jeglichen einordenden Off-Kommentar, was es für den Zuschauer nicht immer leicht macht, den komplizierten Sachverhalten und Ereignissen zu folgen. Vetter bietet lediglich das gelegentliche Einblenden von Namen und Positionen als Orientierung und Unterstützung an. Das ist leider zu wenig, um dem Geschehen problemlos folgen zu können.

Fazit: "The International Criminal Court" rückt die schwierige Arbeit des ICC und seines Chefanklägers in Den Haag in den Mittelpunkt. Die dominierende Rolle des Chefanklägers sowie das Aussparen wesentlicher, essentieller Infos machen diese Doku leider nur bedingt sehenswert.




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