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Kritik: Submission (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Literatur und Film sind vom Leben inspiriert, manchmal aber auch von bereits existierenden Romanen oder Filmen. Dieses Drama, das der Regisseur Richard Levine inszeniert hat, basiert auf dem Roman "Blue Angel" von Francine Prose. Die junge Literaturstudentin Angela, die ihrem Professor Ted den Kopf verdreht, leiht sich einmal die DVD "Der blaue Engel" aus, also den Film aus dem Jahr 1930, der Marlene Dietrich zum Weltstar machte. Als Ted diesen Film später selbst anschaut, erkennt er sich in dem unglücklichen Professor Rath wieder. Und diese Figur wiederum ist Heinrich Manns Roman "Professor Unrat" entlehnt.

Ted und Angela bewegen sich gewohnheitsmäßig in den Gefilden der Literatur, sie lassen ihre Sinne beständig ausschwärmen, auf der Suche nach Inspiration, nach lustvollen, begeisternden Szenarien. Solange Ted in den erotischen Texten Angelas schwelgt, spielt er nur geistig mit dem Feuer, mit seiner Midlife-Krise, seiner Sexualität, folgt dem Wunsch, Denkverbote zu überschreiten. Es ist typisch für den satirischen Humor dieses Films, wie Ted wiederholt beim Lesen wie ertappt aufschreckt, weil ihn gerade jemand anspricht.

Bei einem Essen mit Freunden und Kollegen macht Ted seinem Ärger Luft, wie übervorsichtig der Umgang mit Studenten und Studentinnen geworden sei. Der Film spöttelt mit ihm über das beinahe schon hysterische Problembewusstsein, das an amerikanischen Universitäten herrscht, was die Gefahr sexueller Übergriffe anbelangt. Er macht sich auch lustig über eine vermeintliche Tendenz, in jeder klagenden Studentin das unschuldige Opfer zu sehen. Natürlich hätte der Film auch für Angela Partei ergreifen können, denn Ted hat, ob nun verführt oder nicht, tatsächlich einen Fehler begangen.

Nichts am Inhalt dieses Dramas ist wirklich neu und es plätschert immer wieder relativ unmotiviert dahin. Ted denkt nach, Ted wartet ab, ohne dass die Zuschauer etwas davon hätten. Stanley Tucci gibt diesem Charakter etwas Vages, Unklares, Ted wirkt eitel, er hält sich für aufgeklärter als seine Kollegen. Dabei bemerkt er nicht, wie unkontrolliert er nach den Reizen und Komplimenten der jungen Frau giert, als hätte er keinen eigenen Willen mehr. Ted ist kein wirklich sympathischer Charakter, er versteckt sich zu sehr hinter lässigen Posen. Und Angela bleibt auch zu wenig greifbar, so dass sich dieses Drama selbst mit Unschlüssigkeit und fehlender Aussagekraft Grenzen setzt.

Fazit: Unter der Regie von Richard Levine spielt Stanley Tucci in dieser Romanverfilmung einen Literaturprofessor, der den Reizen einer jungen Studentin erliegt. Mit satirischem Humor verweist der Film auf die oft fließende Grenze zwischen künstlerischer Inspiration und realer Begierde. Er nimmt zugleich die ängstlichen Anstrengungen von Universitäten aufs Korn, jeder Gefahr sexueller Belästigung vorzubeugen. Aber so wie dem Hauptcharakter der ethische Maßstab abhanden kommt, findet auch der ganze Film keine klare Linie.




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