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FBW-Bewertung: Lucy (2014)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Auch wenn (oder gerade weil) sich Luc Besson in den letzten Jahren mehr aufs Produzieren denn auf die Regie konzentriert hat, blickt das Publikum und die Fachwelt gespannt auf jedes neue Werk von ihm und zieht fast unweigerlich Vergleiche zu früheren Erfolgen wie LEON DER PROFI, NIKITA oder DAS FÜNFTE ELEMENT. Im Falle von LUCY sind dies wahrlich keine schlechten Vergleiche, denn mit seinem neuen Werk (man möchte fast Opus sagen), knüpft Besson nach einigen schwächeren Filmen wieder an die ganz großen Erfolge früherer Jahre an undkombiniert geschickt massentaugliches Actionkino mit Twist und nahezu philosophischen Betrachtungen über das Leben und den Sinn des Daseins.

Die Geschichte spielt in nicht allzu ferner Zukunft. Lucy (Scarlett Johansson) ist ein Party-Girl, das sich in Taiwan nicht ganz freiwillig darauf einlässt, als Kurier einer neuen Superdroge namens CPH4 zu fungieren. Dann aber geschieht das Unvorhersehbare: Der in ihrem Bauch eingenähte Beutel mit der blauen kristallinen Substanz platzt auf und verteilt sich in ihrem Körper. Und plötzlich wird aus der ganz normalen jungen Frau eine Art Superwesen, die erstaunliche geistige Fähigkeiten entwickelt. Von Albert Einstein stammt der berühmte Satz, dass wir nur 10 Prozent unserer geistigen Fähigkeiten nutzen, Lucy aber schafft es, zuerst 20, dann 30, dann 40 Prozent ihrer Gehirnkapazitäten freizuschalten. Weil dies noch niemals zuvor einemMenschen gelang, steht selbst der Hirnforscher Professor Norman (Morgan Freeman) gleichermaßen fasziniert wie hilflos vor der Frau und bestaunt deren rasante Wandlung, von der niemand absehen kann, wo sie endet. Für wissenschaftliche Untersuchungen bleibt aber kein Platz, denn das Drogensyndikat von Mr. Jang will seinen Stoff zurück und zudem verhindern, dass Lucy ihr Insiderwissen an die Polizei weitergibt.

Es besteht kein Zweifel, dass Luc Bessons LUCY in allererster Linie ein Film ist, der unterhalten möchte ? und genau das gelingt ihm ausgezeichnet. Die Exposition, die Lucy mitten in den Schlamassel hinein befördert, ist ein Musterbeispiel an erzählerischer Effizienz, auch wenn die junge Frau nicht gerade der Prototyp der verfolgten Unschuld ist. Gekonnt steigert Besson im weiteren Verlauf der Geschichte immer mehr das Tempo, flicht mit Parallelmontagen von Lucys Überlebenskampf zu Professor Normans Vortrag über die Evolution des menschlichen Gehirnes körperliche Rasanz mit geistigem Wachstum zusammen und bringt am Ende die beiden unterschiedlichen Ebenen auf eine Linie.

Zwar weist der Film einige gewaltige Logiklöcher auf, doch insgesamt überwiegt ?auch aufgrund der mit Höchstgeschwindigkeit voranschreitenden Inszenierung und einer großartig aufspielenden Scarlett Johansson - das Sehvergnügen und die Denkanregung durch wahrhaft existenzielle Fragen, die der Film aufwirft. Und am Schluss gibt es sogar eine kleine Verneigung vor Stanley Kubricks 2001 ? ODYSSEE IM WELTRAUM, die überhaupt nicht anmaßend, sondern vielmehr charmant und gewitzt wirkt.

Die Jury sprach dem Film, der sich nahtlos an Bessons große Erfolge anschließt, das Prädikat ?besonders wertvoll? zu.



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