oder

Tore tanzt (2013)

Deutsches Drama: Der religiöse Tore ist entschlossen, sein Leben nach den Regeln von Jesus Christus zu leben. Doch als er zu Benno und dessen Familie zieht, werden Tores Glaube und Nächstenliebe bald auf eine harte Probe gestellt...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 6 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der junge Tore (Julius Feldmaier) ist tiefgläubiger Christ, der in einer WG voller im Glauben verwurzelter religiöser Punks, den sogenannten "Jesus-Freaks", lebt. Keuschheit und die Liebe zur Bibel bestimmen sein Leben und seinen Alltag. Eines Tages trifft er bei einem Rastplatz auf eine Familie, deren Auto eine Panne hat. Tore gelingt es, das Auto wieder zum Laufen zu bringen: für den Blondschopf ein göttliches Zeichen. Als Dankeschön darf er den Sommer in der Gartenlaube der Familie verbringen. Gerne nimmt Tore die Einladung von Familienoberhaupt Benno (Sascha Alexander Gersak) an. Gemeinsam mit Benno, dessen Freundin Astrid (Annika Kuhl), der 15-jährigen Tochter Sanny (Swantje Kohlhof) und deren jüngeren Bruder Dennis (Til-Niklas Theinert) steht ihm scheinbar ein unvergesslicher Sommer in dem gemütlichen Schrebergärtchen bevor. Doch es kommt alles anders: Je länger sich Tore bei der Familie aufhält, desto deutlicher tritt der Sadismus von Benno zu Tage. Tores Opferhaltung provoziert Benno, der sich immer neue Brutalitäten und Gemeinheiten ausdenkt, um den Willen des Jungen zu brechen.

Bildergalerie zum Film

Tore tanztTore tanztTore tanztTore tanztTore tanztTore tanzt


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

"Tore tanzt" ist der erste Spielfilm von Katrin Gebbe, einer Absolventin der renommierten Hamburg Media School. Der Film war der einzige deutsche Beitrag, der in diesem Jahr im Wettbewerb von Cannes lief. Der Film rief tief gespaltene Reaktionen beim Publikum hervor, von tosendem Applaus bis zu tiefstem Entsetzten. Dies hielt einen US-Verleih jedoch nicht davon ab, den Film für eine Auswertung in den Vereinigten Staaten einzukaufen. "Tore tanzt" gehört hinsichtlich seiner Radikalität zu denjenigen deutschen Kino-Filmen in diesem Jahr, die sicher am schwersten zu Verdauen sind – und konsequent die Geduld und das Durchhaltevermögen des Zuschauers einfordern. Ein starkes Drehbuch ohne große Schwächen und ein brillanter Cast tragen den Film über weite Strecken, der den Zuschauer am Ende ratlos zurücklässt.

"Tore tanzt" ist ein kompromissloses, radikales Drama, das sicher nicht für jeden Zuschauer gleichermaßen zu empfehlen ist. So eignet sich der Film wohl am ehesten noch für Freunde von einigen Werken des österreichischen Regisseurs Michael Haneke ("Funny Games"), der für seine provozierenden Gewaltdarstellungen bekannt ist. Ähnliche sadistische Gewalt muss der Zuschauer auch beim Betrachten von "Tore tanzt" nun aushalten. Im Mittelpunkt des Films steht der strenggläubige Tore, der dem Glauben alles im Leben unterordnet. Er lebt keusch und streng nach der Bibel. Als Zuschauer ist man Anfangs zunächst ebenso fasziniert von dem Jungen wie die Familie, die ihn nach der Hilfe bei der Autopanne zu sich in die idyllische Gartenlaube einlädt. Tores Verhalten und Strenggläubigkeit provozieren jedoch auch und es dauert nicht lange, bis das Grauen zum Vorschein tritt. Dabei beginnt der Sadismus von Familienoberhaupt Benno eher beiläufig mit einem harmlos wirkenden Boxschlag.

Was daraufhin jedoch folgt, ist schockierend und nur schwer zu ertragen. Immer neue Gemeinheiten und Brutalitäten lässt sich Benno einfallen, um den Willen und das Durchhaltevermögen von Tore zu brechen. Und Tore? Der sieht sich als Sohn Gottes höchstpersönlich, der auserkoren wurde, das finstere Tal des Verderbens und Schreckens zu durchschreiten. Alles beginnt mit einem Boxschlag, steigert sich dann über eine Misshandlung im Stricherclub hin zur finalen Gewaltorgie. Julius Feldmaier spielt den klaglosen Religions-Fanatiker famos, ebenso authentisch, mitreißend und ohne überzogenes Pathos agiert Sascha Alexander Gersak als Familienvater Benno. Ein Mann, der seine Aggressionen nur zu Beginn des Films unter Kontrolle hat. Das Problem ist, dass man sich als Betrachter des Geschehens etwa die plötzlich einsetzende Gewalt und die spontanen Aggressionen von Benno zu schwer erklären und herleiten kann. Fühlt sich Benno tatsächlich nur von der Bibeltreue und der Opferrolle, in die sich Tore freiwillig begibt, provoziert? Genügt das? Die zweite Frage, die sich unweigerlich aufdrängt: Woher kommt Tores unglaubliche Passivität, wieso in alles in der Welt lässt er sich aus freien Stücken und klaglos derart peinigen und erniedrigen? Woher rührt überhaupt die tiefe Verwurzelung im Glauben? Hier fehlt es dem Film an psychologischer und emotionaler Tiefe, die man als Erklärung für die außergewöhnlichen Verhaltensweisen und – muster heranziehen könnte.

Fazit: "Tore tanzt" ist ein provozierendes, herausragend gespieltes Drama, das in all seiner radikalen Härte und Kompromisslosigkeit auf einige Zuschauer zutiefst verstörend wirken könnte.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Tore tanzt

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2013
Genre: Drama
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 28.11.2013
Regie: Katrin Gebbe
Darsteller: Julius Feldmeier als Tore, Sascha Alexander Gersak als Benno, Annika Kuhl als Astrid
Verleih: Rapid Eye Movies

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.