VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Nebraska
Nebraska
© Paramount Pictures

Kritik: Nebraska (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In David Lynchs "Straight Story" macht sich der alte Alwin mit seinem Rasenmäher auf den Weg von Iowa nach Wisconsin, um einen jahrzehntelangen Streit mit seinem Bruder zu beenden. Zwischendurch begegnet er Menschen, verändert sich und der Zuschauer kommt ihm näher. Das sind die typischen Motive des amerikanischen Roadmovies, in denen der Mythos des "on the road"-Seins gefeiert wird. Es geht nicht nur darum, von einem Ort zum anderen zu kommen, nein, das Reisen führt auch immer zu sich selbst. Auch Alexander Payne hat in "About Schmidt" bereits von der Reise eines Rentners (Jack Nicholson) erzählt, der mit dem Wohnmobil zur Hochzeit seiner Tochter fährt. In seinem neuen Film "Nebraska" geht es nun abermals um die Beziehungen von Vätern und zu ihren Kindern.

Ein älterer Mann kehrt in eine Kleinstadt zurück und trifft dort auf desillusionierte Familienmitglieder und alte Freunde. Vieles in "Nebraska" hat man bereits in ähnlichen Filmen gesehen, dennoch ist dieser Film anders. Alexander Payne gerät niemals in Gefahr, den Mittleren Westen nostalgisch zu verklären. Stattdessen nutzt er die Bekanntheit seiner Motive, um dem Zuschauer das Einfühlen in diese Welt zu erleichtern. Selbst in der Nähe aufgewachsen, kennt Payne die Gegend und die Menschen, so dass er den Mittleren Westen in eindrucksvolle Bilder fasst, zugleich aber die Verlorenheit und Einsamkeit dieser Landstriche ausdrückt. Zusammen mit dem Soundtrack wird die melancholische Stimmung des Films herausgestellt – nur schwarzweiß hätte er nicht sein müssen.

Alexander Paynes Stärke liegt vor allem in der Darstellung der Menschen. Als sich nun in Woodys Heimatort die Nachricht verbreitet, er habe eine Million Dollar gewonnen, ist erst die Freude groß, dann zeigt sich die wahre Natur der Menschen: Sie wollen etwas abhaben vom großen Kuchen und scheuen nicht vor falschen Behauptungen oder schamlosem Ausnutzen von Woodys Gutmütigkeit zurück. Allerdings haben sie die Rechnung ohne seine unverblümte Ehefrau gemacht, die nicht nur ihrem Mann und ihren Söhnen ohne zu zögern die Meinung sagt. Das sorgt für amüsante Momente, die aber in der Minderheit sind. "Nebraska" ist ein melancholischer Film, der insbesondere in den erinnernden und zurückblickenden Sequenzen überzeugt. Wenn Woody mit seinen Söhnen und seiner Frau sein altes Elternhaus besucht, das verlassen auf dem Grundstück steht, wird der Verfall, die Vergänglichkeit und die Veränderung versinnbildlicht – und man fühlt sich Woody und seiner Familie sehr nah.

Fazit: "Nebraska" erzählt vor allem von enttäuschten Hoffnungen, den Folgen von Entscheidungen und der Perspektivlosigkeit des Mittleren Westen. Die Bissigkeit von "About Schmidt" oder die Originalität von "The Descendants" erreicht der Film nicht, aber wer Alexander Paynes Filme bisher mochte, wird auch mit "Nebraska" zufrieden sein.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.