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Lunchbox
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Kritik: Lunchbox (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im ersten abendfüllenden Spielfilm des indischen Regisseurs Ritseh Batra stehen die "Dabbawalas" im Zentrum, die zum Stadtbild der Weltmetropole Mumbai gehören wie etwa die Gondoliere zu Venedig. Ca. 5000 solcher Dabbawalas gibt es in Mumbai, die per Bahn oder mit dem Rad das Essen von den Hausfrauen aus den Vororten abholen und es in den berühmten mehrstöckigen Metall-Lunchboxen zu den Ehemännern in die Stadt bringen. Ein ausgeklügeltes Zeichensystem soll auch analphabetischen Lieferanten die Arbeit ermöglichen – und Verwechslungen dabei eigentlich vermeiden. Was passieren kann, wenn eine dieser Lunchboxen dann aber doch einmal verwechselt wird, das zeigt die charmante Romantik-Komödie "Lunchbox". Regisseur Batra gelingt ein gefühlvoll inszenierter Film mit einer poetischen Bildsprache, der ohne die eine oder andere unnötige Nebenhandlung noch besser funktioniert hätte.

"Lunchbox" lässt sich einerseits als Hommage an die sehr alte Tradition und die Arbeit der Dabbawalas verstehen, funktioniert dabei aber ebenso gut als Film, der einer indischen Großstadt huldigt, in der Armut und Reichtum so eng beisammen liegen wie in kaum einer anderen indischen Stadt: Mumbai, der Heimat von Regisseur Batra. Die Stadt Mumbai, die zu den größten Metropolregionen der Welt zählt, ist geprägt von seiner reichhaltigen Geschichte und der Multinationalität ihrer Bewohner. Sie erscheint in "Lunchbox" als brodelnde, überfüllte Multikulti-Weltstadt, die vor lauter Menschen aus allen Nähten zu Platzen droht. Die Straßen sind voller Menschen, in Bus und Bahn sieht man vor Überfüllung die eigene Hand an der Haltestange nicht. Ein interessanter Kontrast entsteht, da Batra trotz dieser Hektik und Schnelllebigkeit eine ruhige, fast poetische Bildsprache nutzt, um den Zuschauer einen Eindruck vom Leben im Großstadtmoloch aufzuzeigen.

Gefühlvoll, zart und voller warmherzige Momente ist auch die sich zwischen den beiden Protagonisten entwickelnde Beziehung. Im Laufe der Zeit werden die Nachrichten, die sich Ila und Saajan hin- und herschicken immer länger und intimer. Beide sind einsame Seelen, die sich nach menschlicher Wärme, Zweisamkeit und der großen Liebe sehen. Überzeugend ist dabei auch das Spiel der beiden Hauptdarsteller, die zwar zurückgenommen und leise spielen, aber dennoch zu jeder Zeit die Gefühlswelt ihrer Figuren deutlich machen und durch Gestik und Mimik nach außen kehren. Schade ist, dass sich der Film hier und da in überflüssige Nebenhandlungen verliert und dadurch seiner warmherzigen, märchenhafte Aura selbst beraubt. Durch die inhaltlichen Nebenschauplätze (Ilas kranker Vater oder die Geschichte einer Selbstmörderin) entstehen Längen und dramaturgische Durststrecken – und damit zwangsläufig auch deutliche Anflüge von Langeweile.

Fazit: Poetische Bilder und zwei überzeugende Darsteller machen aus "Lunchbox" eine gefühlvolle, sehenswerte Romantik-Komödie, die ohne die unnötigen Subplots noch besser funktioniert hätte.




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