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Kritik: A Touch of Sin (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"A Touch of Sin" ist der neue Films des im Westen eminent populären chinesischen Regisseurs Jia Zhang-ke, der vor allem für Werke bekannt ist, die auf die soziale Ungerechtigkeit im modernen China des 21. Jahrhundert – einem Land zwischen Kommunismus und Kapitalismus – aufmerksam machen. "A Touch of Sin" bildet da keine Ausnahme, auch er prangert Unterdrückung, Ausbeutung, Gewalt und Betrug an und sieht Gewalt als den für viele Menschen letzten Ausweg aus der Krise, sei sie nun persönlicher, familiärer oder beruflicher Natur. In Cannes wurde Jia für sein Episoden-Drama zu Recht mit dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet. Eine Besonderheit bei dem Film: Alle auftretenden Geschichten beruhen auf wahren Ereignissen, die sich in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Regionen Chinas abgespielt haben. "A touch of sin" ist ein bärenstarkes, aber ebenso schonungsloses Drama geworden, das aufzeigt, wie das China im Jahre 2014 sein Volk und die eigene Tradition opfert, um im ökonomischen Wettrennen der (westlichen) Weltmächte mithalten zu können.

Der Film verstrickt Chinesen aus unterschiedlichen Milieus und Gesellschaftsschichten in vier interessante Geschichten, die in großstädtischen Regionen aber auch in ländlicheren Gebieten oder Provinzen spielen. Regisseur Jia zeigt damit auf: die Probleme betreffen nicht nur die Angehörige eines einzelnen Milieus – nein, soziale und politische Missstände wie Nationalismus, Ausbeutung, Repression und Korruption spielen überall eine (leider) zentrale Rolle im Land der aufgehenden Sonne. Allen Protagonisten im Film ist gemein, dass sie sich in einer für sie ausweglosen Situation befinden, aus der sie nur mit Waffengewalt ausbrechen können. Die Gewalttaten schocken dann auch dementsprechend. Nicht, weil sie von Jia so blutig und gewalttätig inszeniert wurden, sondern weil sie ganz normale, unbescholtene Menschen betreffen, denen man solche Taten eher nicht zugetraut hätte. Aber Jia zeigt auch: Gewalt erzeugt Gegengewalt, vor allem in einem korrupten, den Einzelnen unterdrückenden Staat.

Außerdem lobenswert: Es sind nur vier Geschichten, die der Film erzählt, vier Handlungsstränge in zwei Stunden also. Das ist nicht zu viel für die Konzentration und Aufmerksamkeit des Zuschauers, die bei anderen Episoden-Filmen mit unzähligen Protagonisten und Handlungssträngen deutlich mehr beansprucht werden. Und "A Touch of Sin" beweist, dass bei einem Episodenfilm die einzelnen Geschichten nicht zwangsläufig miteinander verknüpft sein oder am Ende zusammenlaufen müssen. Die jeweiligen Personen begegnen sich lediglich hier und da mal im Bus oder laufen auf der Straße aneinander vorbei. Mehr nicht.

Fazit: Gekonnt strukturiertes, nicht zu verschachtelt erzähltes Episoden-Drama, das in vier spannenden Geschichten die sozialen Missstände im Gegenwarts-China aufzeigt.




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