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De Martes a Martes
De Martes a Martes
© Cine Global Filmverleih

Kritik: De Martes a Martes (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der argentinische Spielfilm "De Martes a Martes" aus dem Jahr 2011 ist ein Drama, das mit der Spannung eines Thrillers erzählt wird. Das Langfilmdebüt des Regisseurs Gustavo Fernández Triviño kommt im Rahmen der Kinotournee Cinespanol 3 nach Deutschland. Emotional zurückhaltend und äußerlich ruhig wie sein Hauptcharakter, entwickelt es einen düsteren Sog, der an einen Film noir erinnert. Die Kaltblütigkeit, mit der sich Juan als Beobachter einer Vergewaltigung mitschuldig macht, weil er eigene Pläne verfolgt, regt zur ethischen Diskussion an – auch darüber, welche Position ein Film mit einem solchen Thema beziehen soll.

Der Film ist dramaturgisch wirkungsvoll aufgebaut. Innerhalb einer Woche, von Dienstag bis Dienstag, wie es im Titel heißt, gibt Juan seinem Leben eine neue Richtung. Zunächst hält man den zurückhaltenden Mann, der nur Arbeit und Muskeltraining kennt und daheim seinen Lohn abgibt, für einen anständigen, braven Underdog. Aber sobald Juan aus dem Trott seines grauen Daseins ausbricht, wirkt dieses als schon immer eine Nummer zu klein für ihn.

Im Vordergrund stehen die Vergewaltigung und anschließende Erpressung des Täters, im Hintergrund aber scheinen allgemeinere Themen auf wie der lateinamerikanische Machismo und die Versuche vieler Menschen, das magere Einkommen mit allerlei Geschäften, auch obskurer Art, aufzubessern. Juan stellt fest, dass die Ehrlichen nur die Dummen sind. Aber dann ist er sehr konsequent darin, alles zu opfern, was der Selbstverwirklichung im Wege steht. Es wirkt fast, als hätte Juan seine dunkle Seite die ganze Zeit schon in sich getragen und nur vorübergehend unterdrückt.

Aber Juans tiefere Motive und seine wahren Ansichten bleiben weitgehend verborgen. Der Film deutet vieles an, was er dann nicht weiter erklärt. Auch was Juan die eigene Familie bedeutet, erfährt man nicht. Das mag Absicht sein, damit sich das Publikum umso mehr Gedanken macht über den Preis, den er für seine Entscheidung zahlt. Aber diese Unklarheit wirkt auch etwas unausgegoren und den Figuren gegenüber sehr distanziert.

Stilistisch besonders auffällig ist die Wortkargheit des Films. Es gibt lange Sequenzen, die ganz frei von Dialogen sind. Juan ist der einsame Wolf, der beschlossen hat, sich niemandem anzuvertrauen. In Wirklichkeit aber ist ihm selbst nicht zu trauen. Der krude, düstere Zynismus des Films, der sich einer eigenen Wertung enthält, wirkt gerade wegen seiner Realitätsnähe aufwühlend.

Fazit: Das düstere, spannende und sehr wortkarge Drama aus Argentinien porträtiert einen Mann, der aus Egoismus eine folgenschwere Entscheidung trifft.





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