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Kritik: Hirngespinster (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Schon oft hat das Kino von Schizophrenie und Paranoia erzählt und dabei meist die Grenzen zwischen Illusion und Wirklichkeit verwischt, um das Publikum in ein undurchschaubares Spiel zwischen Schein und Sein zu verwickeln. Doch im Gegensatz zu Filmen wie Stanley Kubricks "Shining" (1980) oder Darren Arronofskys "Pi" (1998) blickt der Regisseur und Drehbuchautor Christian Bach mit seinem Spielfilmdebüt "Hirngespinster" nicht in den Kopf eines Schizophrenen, sondern nimmt ganz bewusst eine Außenperspektive ein. Was hier krankhafte Einbildung ist und was wirklich geschieht, ist den Zuschauern und ebenso allen Filmfiguren bis auf den paranoiden Hans zu jeder Zeit klar.

So erzählt "Hirngespinster" nach dem Schema eines Problemfilms von der paranoiden Schizophrenie und versucht das Thema möglichst facettenreich zu behandeln. Von der verständnislosen Reaktion der Nachbarn auf den kranken Hans bis zum informativen Arztgespräch, führt der Film exemplarische Situationen vor, die Angehörige von psychisch Kranken oft erleben. Bachs aufklärerischer Anspruch, populäre Vorurteile und gefährliches Halbwissen über Schizophrenie abzubauen, mag dabei durchaus ein löblicher Ansatz sein. Die gute Absicht stellt sich jedoch oft einem gelungenen Filmerlebnis in den Weg, viele der Szenen wirken umständlich konstruiert und das Verhalten der Figuren erscheint bisweilen dramaturgisch unmotiviert.

Lediglich Tobias Moretti in der Rolle des schizophrenen Familienvaters kann in dieser Produktion rundum überzeugen und fasziniert mit einer unberechenbaren Performance zwischen geistiger Verwirrtheit und intellektueller Schärfe. Durch seine herausragende Leistung wirkt der Schauspieler allerdings zugleich wie ein Fremdkörper im Film: Abgesehen vom ernsten Thema Schizophrenie erweist sich "Hirngespinster" nämlich als ein erschreckend seichter Spielfilm voller eindimensionaler Figuren und ermüdenden Klischees.

Fazit: Während Tobias Moretti in der Rolle des psychisch kranken Familienvaters überzeugt und eindringlich sein Schauspieltalent unter Beweis stellt, erweist sich "Hirngespinster" im Großen und Ganzen als oberflächlicher und klischeehafter Problemfilm.




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