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Dieses schöne Scheißleben (2013)

El Mariachi Femenil

Dokumentarfilm über Frauen, die sich in der Männerdomäne der mexikanischen Mariachi-Musik behaupten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Die deutsche Regisseurin Doris Dörrie hat sich sechs Wochen lang in Mexiko-Stadt und Umgebung im Milieu der Mariachi-Musiker umgeschaut. Sie porträtiert die Sängerin María del Carmen, die sich als alleinerziehende Mutter in dieser Männerwelt behauptet. An den Wochenenden steht sie mit ihren Begleitmusikern auf dem Plaza Garibaldi und wartet neben zahlreichen anderen Bands auf Kunden. Passanten können für Geld ein Lied bestellen und einige Besucher bezahlen sogar für längere Darbietungen. Die Geigerin Lupita spielt in der gemischten Band Las Estrellas de Jalisco. Diese wird häufig für private Feste gemietet, tritt aber auch auf dem Friedhof auf, wo trauernde Angehörige am Día de los Muertes die Lieblingslieder der Verstorbenen spielen lassen. Die Gruppe Las Pioneras besteht aus lauter Seniorinnen, die schon vor 50 Jahren in diese musikalische Männerdomäne eindrangen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Dokumentarfilm von Doris Dörrie ist mehr als nur ein Porträt von Frauen, die sich als Außenseiterinnen in der Welt der Mariachi-Musik bewegen. Er ermöglicht gleichzeitig auch einen erfrischend lebendigen Einblick in mexikanisches Brauchtum. Die kraftvollen Lieder mit ihren zwischen Freude und Leid oszillierenden Texten, die María del Carmen und ihre Kolleginnen vortragen, scheinen direkt aus den Tiefen der mexikanischen Seele zu kommen. Mit dieser kulturellen Echtheit und Ausdruckskraft hebt sich die Musik der Mariachis von anderen Genres ab.
Die Vollblutmusikerin María del Carmen erzählt, dass den männlichen Mariachis der Unterschied zwischen einer Sängerin und einer Hure nicht immer klar ist. Eine Frau, die sich als Künstlerin in der Öffentlichkeit bewegt, anstatt sich zuhause um die Kinder zu kümmern, wirkt auf die eingefleischten Machos wie eine Kampfansage. Aber María del Carmen ist, wie ihre Kolleginnen aus anderen Gruppen auch, mit dieser Musik aufgewachsen. Entsprechend selbstbewusst und ausdrucksstark kann sie ihre Lieder hinausschmettern, die so oft von vergeblicher Liebesmüh, von der Sucht nach "diesem schönen Scheißleben", wie eine Textzeile lautet, erzählen. Der Film zeigt die Sängerin im Alltag mit ihrer Tochter und ihrer Mutter und folgt ihr, wenn sie zur Arbeit geht. Dabei wird der Spagat sichtbar, den sie wie alle weiblichen Mariachis zwischen einem geordneten Privatleben und den wenig familienkompatiblen Auftrittszeiten bewältigen muss. Die Not und die Entbehrung, von der die Lieder oft erzählen, das zähe Durchhalten kennen die Künstlerinnen oft auch aus persönlicher Erfahrung. Im Gegenzug aber schöpfen sie Kraft aus den emotionalen Melodien.
Von der konkreten Performance ausgehend legt der Film sowohl die Faszination frei, die von der Mariachi-Musik allgemein ausgeht, als auch ihre Bedrängnis als Kunstform in einer Zeit, in der Lieder überall auf Knopfdruck verfügbar sind. Die Aufnahmen legen mit leichter Nostalgie den Schluss nahe, dass es für den Live-Auftritt keinen Ersatz gibt. Am deutlichsten wird das, wenn Mariachis auf dem Friedhof für eine um ein Kind trauernde Familie spielen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt und menschliche Anteilnahme. Wenn sich der Film im letzten Abschnitt vor allem mit dem mehrtägigen Totenfest zu Allerheiligen beschäftigt, wagt er sich noch eine Stufe tiefer in die mexikanische Kultur vor. Indem die Menschen ihre Sterblichkeit nicht ausblenden, spüren sie die Paradoxie des Lebens besonders intensiv. Diese drückt sich auch in der Mariachi-Musik aus. Doris Dörrie ist ein schöner, emotionaler und aussagekräftiger Dokumentarfilm gelungen.

Fazit: Doris Dörries schöner Dokumentarfilm über mexikanische Mariachi-Musikerinnen verschafft dem Publikum einen lebendigen, klischeefreien Einblick in diese traditionelle Kunstform und legt ihre philosophischen Wurzeln frei.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 23.10.2014
Regie: Doris Dörrie
Darsteller: Magdalena 'Malena' Berrones als Magdalena 'Malena' Berrones, Las Pioneras de Mexico, Guadalupe Hernández Monroy
Verleih: Senator Film

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Die Geschichte des Mariachi:
Ursprünglich kommt das Genre des Mariachi aus dem Staat Jalisco im Westen Mexikos. Entstanden ist es aus einer Mischung von präkolumbianischer Kultur und [...mehr] europäischem Einfluss. Den Brauch, religiöse Feiern mit Musik zu untermauern, gab es lange Zeit vor der spanischen Eroberung. Mit der Verbreitung des Christentums wurden an den Zeremonien die traditionellen Instrumente wie Flöten, Rasseln und Trommeln nach und nach durch europäische Instrumente ersetzt. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden neue Instrumente wie der Guitarrón – eine sehr laute, tiefe, sechssaitige Gitarre, die wie ein Bass klingt – und die Vihuela – eine fünfsaitige Gitarre mit einem runden Körper. Neben diesen beiden Instrumenten hat die traditionelle Mariachi-Formation mehrere Violinen, zwei Trompeten, Gitarren und in seltenen Fällen eine Harfe.
Im November 2011 wurde die Mariachi-Musik von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Sie ist ein fester Bestandteil der mexikanischen Kultur und Teil jedes mexikanischen Festes, vom Kindergeburtstag bis zur Beerdigung.
Die facettenreichen Klänge und starken Stimmen der Frauen sind auf dem Soundtrack zum Film eingefangen, den die erfolgreiche Musikproduzentin Rachel Faro mit den Protagonistinnen des Films, der Mariachi-Band "Las Pioneras" und der Solo-Künstlerin Maria del Carmen in Mexiko-Stadt aufgenommen hat.

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