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Fieber
Fieber
© barnsteiner-film © EastWest Distribution

Kritik: Fieber (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wie mit Familiengeheimnissen umgehen? Elfi Mikesch antwortet mit einem Spielfilm, der auf der Kindheit der 1940 im österreichischen Judenburg geborenen Regisseurin, Kamerafrau und Fotografin beruht. Mikeschs fiktionalisierte Reise in die eigene Familiengeschichte ist eine audiovisuell und narrativ betörende (Irr-)Fahrt, während der sich Gegenwärtiges und Vergangenes, Fakten und Fiktion, Realität und (Fieber-)Traum immer stärker vermischen.

"Fieber" nähert sich seinen Figuren nicht linear, sondern in konzentrischen Kreisen. "Ich bin den Bildern meines Vaters auf der Spur. Ich möchte den Anfang dieser Geschichte finden", sagt Eva Mattes als Fotografin Franziska einmal stellvertretend für Mikesch. Da ist die assoziative Handlung, die von einer zur anderen Ebene stets sanft hinübergleitet, bereits geraume Zeit fortgeschritten. Einen Anfang und ein Ende wird "Fieber" nicht mehr finden, was kein Makel, sondern die große Stärke dieses virtuos orchestrierten Dramas ist.

Jerzy Palacz' Kamera, die den gegenwärtigen Handlungsstrang deutlich nervöser einfängt als den vergangenen, taucht die Kindheitserinnerungen in gedeckte, von einem zarten Licht erhellte Farben. Geschickt lenkt Elfi Mikesch die Blicke der Zuschauer durch das Arrangement der Figuren. Und wenn sich die junge (Carolina Cardoso) wie die gealterte Franziska (Eva Mattes) in die Fotografien ihres Vaters (Martin Wuttke) versenken, beeindrucken diese auch heute noch faszinierenden Zeitdokumente in voller Leinwandfülle.

"Fieber" ist die zärtliche Annäherung einer Tochter an ihren Vater und gleichzeitig dessen Dekonstruktion. Je tiefer Franziska in die Familiengeschichte vordringt, je mehr Geister der Vergangenheit vor ihrem geistigen Auge aus der Dunkelheit ihres Kinderzimmers tauchen, desto mehr Risse bekommt die kindlich-naive Verehrung des zunächst so beeindruckenden Familienoberhaupts. Dass Franziska die Wahrheit so lange verdrängt hat, sagt am Ende vielleicht mehr über sie als über ihn aus.

Fazit: "Fieber" ist eine stille Reflexion über eine Frau auf der Suche nach ihrer Vergangenheit. Regisseurin und Drehbuchautorin Elfi Mikesch erzählt diese Geschichte assoziativ, verwebt virtuos zwei Zeitebenen. Ein schwieriges Vater-Tochter-Verhältnis in betörenden, teils symbolisch aufgeladenen Bildern.




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