VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Art/Violence
Art/Violence
© artviolence.com

Kritik: Art/Violence (2013)


Nach dem Tod des jüdisch-palästinensischen Theaterleiters Juliano Mer-Khamis inszenierte Udi Aloni am Freedom Theater im palästinensischen Flüchtlingslager Jenin Becketts "Warten auf Godot" - ein emotionales und ausdrucksstarkes Werk gegen die allgegenwärtige Situation. Bei dessen Inszenierung brach er gleich zwei Tabus: Männerrollen wurden mit Frauen besetzt und Frauen und Männer treten gemeinsam auf. Die Proben waren nicht einfach, einer der Schauspieler wurde von der israelischen Armee verhaftet, saß ohne Anklage einen Monat lang im Gefängnis. Die Frauen mussten sich rechtfertigen für das, was sie da auf der Bühne taten. Im Stück fragt Gogo Didi: "Haben sie uns unsere Rechte genommen"? Und Didi antwortet mit bitterem Lachen: "Nein, die haben wir aufgegeben".

Und so wendet sich die Kunst nicht nur gegen die israelische Besatzung, sondern auch gegen patriarchale Strukturen in der palästinensischen Gesellschaft. Die Protagonistinnen wenden sich unter anderem gegen Geschlechtertrennung bei Konzerten und engagieren sich für ihre Rechte. Sie wehren sich gegen die Ansicht, dass der Kampf gegen die israelische Besatzung Vorrang habe vor allem Anderen. Und so gibt der Film einen Einblick in das Leben in den besetzten Gebieten und in den Flüchtlingslagern. Er zeigt Menschen, die nicht verlernt haben zu träumen und für ihre Träume zu kämpfen. Ihr Kampf findet auf der Bühne statt. Ihre Mitstreiter sind Shakespeare, Beckett und Brecht. Der Tod Julianos soll nicht umsonst gewesen sein und seine Schüler arbeiten an seinem Vermächtnis, mit dem Theater und der Kunst bestehende Verhältnisse zu ändern.

Besonders bewegend ist die Rezitation einer Stelle aus Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“ von einer seiner Schülerinnen an seinem Grab. Mitunter wird Udi Aloni vom Filmemacher zum Protagonisten, wenn er sich an Juliano erinnert, aber er hält sich meistens zurück. Entstanden ist somit ein bewegender und aufwühlender Film über einen besonderen Mann und die Hoffnung, dass das, was er geschaffen hat, weiterlebt.

Fazit: Diese bewegende Dokumentation über das Vermächtnis des ermordeten Theatermachers Juliano Mer-Khamis zeigt, wie Kunst als Waffe gegen Unterdrückung funktionieren kann. Schüler und Mitstreiter Julianos erinnern sich und machen weiter und der Zuschauer kann sich der Kraft, die diese jungen Menschen ausstrahlen, nicht entziehen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.