VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Liebesbriefe eines Unbekannten
Liebesbriefe eines Unbekannten
© Pro Fun Media

Kritik: Liebesbriefe eines Unbekannten (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Liebesbriefe eines Unbekannten"(Originaltitel: "Snails in the rain”) ist das Spielfilm-Debüt des Dokufilmers Yariv Mozer, der hier eine Kurzgeschichte aus Yossi Avni-Levys Debütroman "Der Garten der toten Bäume” verfilmt hat. Sein sexuell wie psychologisch aufgeladenes Drama wurde im vergangenen Jahr in Israel gedreht. Mozer gelingt mit "Liebesbriefe eines Unbekannten" ein solides, authentisch gespieltes Werk, dass die Frage nach der sexuellen Selbstfindung der Hauptfigur ins Zentrum rückt. Dabei agiert vor allem der Hauptdarsteller, das Fotomodell Yoav Reuveni, realitätsnah und mit Feingefühl.

Im Erstlingswerk von Mozer passiert eigentlich nicht allzu viel - es ist hinsichtlich seiner Handlung und dramaturgischen Wendungen äußerst sparsam und minimalistisch gehalten. Der Film zeigt zunächst ein junges Pärchen, das ein scheinbar normales Leben in einer unscheinbaren Zwei-Zimmer-Wohnung in Tel Aviv führt. Die Handlung nimmt ein wenig an Fahrt auf, als Boaz in seinem Briefkasten eines Tages den "Liebesbrief eines Unbekannten" entdeckt. Nach der ersten Verwirrung bei Boaz ob des anonymen Absenders, der zudem noch männlichen Geschlechts zu sein scheint, kehrt dann aber auch wieder weitestgehend Ruhe ein. Der Film zeigt in seiner folgenden Dreiviertelstunde nicht viel mehr, als unspektakuläre Alltagsszenen des jungen Paares. Hier sind einige unnötige, überflüssige Szenen mit dabei, allerdings verdeutlichen die entscheidenden Momente dieser Alltagsbeschreibung doch immer wieder auch den emotionalen, inneren Konflikt, in dem sich Boaz befindet.

Hier kommt es auf Nuancen an, auf Kleinigkeiten an, die sich im ausgefeilten Gestik- und Mimik-Spiels des Hauptdarstellers manifestieren. So nähert sich Boaz etwa beim Essen mit der Freundin oder auch abends im Bett, wenn er aufgrund seiner emotionalen Achterbahnfahrt mal wieder nicht schlafen kann, seinen verborgenen Sehnsüchten langsam an. Da der Film viele Szenen enthält, in denen schlicht nichts Bemerkenswertes passiert, kommt es ihm zugute, dass er mit seinen knapp 80 Minuten recht kurz geraten ist. Und so kommt trotz des überschaubaren Inhalts nur selten Langeweile auf. Denn zu spannend bleiben zwei Fragen: Wer ist der geheimnisvolle Unbekannte und wie wird sich Boaz am Ende entscheiden? Noch ein Wort zum Hauptdarsteller: Yoav Reuveni macht seine Sache als 25-jähriger Student der sich im Konflikt mit sich selber befindet, sehr gut. Ausgewogen und glaubwürdig macht er die inneren Zweifel und den Kampf gegen unterdrücktes Verlangen für den Zuschauer deutlich.

Fazit: Glaubwürdiges, emotionales Drama über einen Mann, der an seiner sexuellen Identität zu Zweifeln beginnt. Trotz vieler harmloser Alltagsbeobachtungen, in denen nichts Erwähnenswertes geschieht, kommt dank des starken Hauptdarstellers nur selten Langeweile auf.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.