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Ummah - Unter Freunden
Ummah - Unter Freunden
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Kritik: Ummah - Unter Freunden (2012)


Der deutsch-türkische Regisseur Cüneyt Kaya stemmt sich mit seinem Spielfilmdebüt über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft gegen Vorurteile und negative Klischees, die der islamischen Bevölkerung in Deutschland begegnen. Indem er einen einsamen, ehemaligen V-Mann der rechten Szene Anschluss an eine arabische Gemeinschaft in Berlin finden lässt, betont er deren traditionelle Herzlichkeit. An der Seite von Daniel Klemm besucht das Publikum eine Hochzeit, den privaten Islamunterricht und alltägliche Zusammenkünfte in einem Milieu, das von Außenstehenden sonst allzu oft und wohl zu Unrecht als abgeschottet wahrgenommen wird.

Das Insiderporträt einer muslimischen Gemeinschaft – der im Filmtitel genannten Ummah – ist subjektiv und realistisch zugleich. Kaya schildert das Milieu mit seinen Ecken und Kanten, die Vorbehalte, die ein älterer Bekannter von Abbas gegenüber dem Deutschen hat, die zum Teil widersprüchlichen Ansichten innerhalb der Community. Es ist vom Ärger die Rede, den viele empfinden, wenn sie Plakate mit freizügiger Dessouswerbung vor die Nase gesetzt bekommen und man erlebt eine schikanöse Polizeikontrolle auf offener Straße mit.

Abbas und seine Freunde sind betont sympathisch charakterisiert, der Fernsehverkäufer gerät gar zur toleranten Symbolgestalt der Nächstenliebe. Aber trotzdem wirkt das Plädoyer für mehr Miteinander nicht aufgesetzt. Denn Abbas, Jamal und Hassan verhalten sich authentisch und spontan, sie können im Gegensatz zu Daniel ungezwungen scherzen, locker sein. Am schönsten ist, wie Abbas ihn, zum Beispiel wenn er ihn im Laden trifft, ganz selbstverständlich auffordert, gleich noch zu privaten Anlässen mitzukommen. Wiederholt spielt die Handlung auch ironisch mit den Klischees in den Köpfen der Zuschauer. Eine wichtige Szene ist der private Islamunterricht, den Daniel mit Abbas besucht: Da erwartet man, mit einer Hasspredigt konfrontiert zu werden, und bekommt stattdessen vorgeführt, dass Terrorverdacht und ein erbauliches Gleichnis mit Tipps zur richtigen Lebensführung zwei verschiedene Paar Stiefel sind.

Der No-Budget-Film, der ohne Filmförderung und Beteiligung von Fernsehanstalten gedreht wurde, reißt mühelos ein paar Mauern in den Köpfen ein. An anderer Stelle aber wirkt die Geschichte überzogen: Obwohl der Verfassungsschutz aktuell wirklich keinen guten Ruf besitzt, wird er hier schon unglaubwürdig kriminell dargestellt. Das dient wohl der Dramaturgie, die auch schon mit dem Tragischen liebäugelt, wenn Frederick Lau so emotionsstark die Stirn in Falten zieht. Dabei passt die düster fatale Dynamik gar nicht wirklich zur sonst so optimistischen Story.

Fazit: Das subjektive und dennoch realitätsnahe Porträt eines muslimischen Freundeskreises in Berlin, das einem einsamen Ex-Spitzel der rechten Szene sozialen Halt gibt, wärmt das Herz und räumt mit kulturellen Vorurteilen auf.





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