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You're next
You're next
© Splendid Film © Studiocanal

Kritik: You're next (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Slasher gehört zu den konservativsten Filmgenres überhaupt. Nach dem zumeist immer gleichen Schema metzelt ein Unbekannter aus reiner Mordlust und purem Wahnsinn eine beträchtliche Anzahl von zumeist jugendlichen Protagonisten nieder und bestraft sie dabei nebenher für "schwerwiegende moralische Vergehen" wie Drogenkonsum und vorehelichem Sex. Am Ende bleibt nur das "final Girl" als Verkörperung der reinen Unschuld übrig und bekommt somit die heilige Aufgabe nun den Killer zu ermorden. Anschließend ist die Ordnung wieder hergestellt und die Welt kann vom Bösen gereinigt wieder weitergehen. Auch "You're Next" scheint zunächst genau diesem nur zu gut bekannten Schema zu folgen. Das stört jedoch nicht wirklich, denn handwerklich ist der Film sehr gut gemacht. Die Fotografie ist gerade für einen amerikanischen Independent-Horrorfilm recht gediegen, die Schocks sitzen und die morbiden Tiermasken der Killer sind tatsächlich furchteinflößend. Doch nach und nach wird immer deutlicher, dass "You're Next" weitaus origineller ist, als man zunächst denkt. Der Film orientiert sich zwar durchaus am gängigen Slasher-Schema, durchbricht dies jedoch ein ums andere Mal.

Ohne zu viel verraten zu wollen kann gesagt werden, dass "You're Next" das Genre zwar nicht vollkommen neu erfindet, jedoch eindeutig neu belebt. Die Opfer sind keine pubertären Jugendlichen, sondern allesamt Erwachsene. Bis auf die Eröffnungsszene die einen Ehebruch zeigen könnte, lassen sich auch keine moralischen Verfehlungen im erzkonservativen Sinne erahnen. Die Angreifer sind weder übermenschlich, noch jenseitig, sondern ebenso menschlich, wie die Angegriffenen. Jene sind keineswegs vollkommen wehrlos und unbedarft, sondern oftmals wesentlich abgebrühter, als man dies erwarten würde. Die Grenzen zwischen Gut und Böse werden zunehmend unscharf, bis sie in einer äußerst schwarzhumorigen Schlussszene endgültig aufgehoben werden. Dies ist ein Horrorfilm, der gleichermaßen durch seinen galligen Humor, als auch durch seine gesunde Härte gefällt. In vielerlei Hinsicht ist "You're Next" damit Ryuhei Kitamuras Slasher "No One Lives" (2012) ähnlich. Welcher der beiden Filme letzten Endes besser ist, mag jeder für sich entscheiden. Fest steht jedenfalls, dass der eigentlich zuerst entstandene "You're Next" nur deshalb später herauskommt, da der Film zwei Jahre lang keinen Verleih gefunden hat. Das lag eindeutig nicht an der Qualität des Films, denn die ist hervorragend.

Fazit: "You're Next" ist ein sehr gelungener Slasher, der das Rad zwar nicht ganz neu erfindet, aber innovativ genug ist, um auch eingefleischte Fans des Genres zu überraschen.





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