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Tiefe Wasser
Tiefe Wasser
© Salzgeber & Co

Kritik: Tiefe Wasser (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Tiefe Wasser" ist der zweite Film des polnischen Regisseurs Tomasz Wasilewskis, in dem er die Sehnsucht eines jungen Mannes nach einem Leben beschreibt, in dem er selbst bestimmen und festlegen kann, was ihm gut tut und er zum existieren benötigt. Dass die Hauptfigur auf der einen Seite das Kribbeln und Prickeln einer neuen Liebe bzw. sexuellen Bekanntschaft ebenso braucht wie die Sicherheit einer festen Bindung, macht die Sache nicht gerade einfacher. Dabei betrifft diese Entscheidung für eine Person bzw. ein bestimmtes Lebensmodell die meisten von uns früher oder später.

Und hier spielt es keine Rolle, um welches Geschlecht es geht und ob man sich sexuell nun zu Frauen, Männern oder beiden Geschlechtern hingezogen fühlt. Insofern kann "Tiefe Wasser" als universelles und nicht als reines Queer-Drama für eine rein homosexuelle männliche Zielgruppe angesehen werden. Der Film ist vielschichtig, emotional und gut gespielt. Abzüge gibt es, weil er sich zu viel vornimmt und zu viele Themen behandelt.

Die Hauptfigur Kuba funktioniert als Identifikationsfigur sehr gut, da sie authentisch und realistisch gezeichnet wurde. Kuba muss hier zwischen zwei Lebensmodellen wählen. Diese Entscheidung müssen viele von uns irgendwann im Leben treffen: die Entscheidung, mit einer bestimmten Person das Leben zu teilen und auf die Verlockungen und Ungezwungenheit des Single-Daseins, einer offenen Beziehung oder ständig wechselnder sexueller Partner zu verzichten. Die Tatsache, dass man diese Wahl früher oder später im Leben treffen muss, wird in den meisten Fällen jedoch nicht hinterfragt und stattdessen als selbstverständlicher Teil des Lebens angesehen. "Tiefe Wasser" jedoch richtet seinen erzählerischen Schwerpunkt auf diesen Aspekt und rückt die hin- und hergerissene Hauptfigur stellvertretend für viele von uns mit allen Unsicherheiten und der konfusen Gefühlswelt in den Mittelpunkt.

In "Tiefe Wasser" geht es daher nicht um die Suche eines Mannes nach seiner Identität und sexuellen Orientierung. Es geht um die ganz grundsätzliche Frage des Lebens, was einen jeden von uns glücklich macht, was er oder sie zum Glücklich sein und erfüllten Leben benötigt. Dabei ist es zweitranging, ob man nun mit einer Frau oder einem Mann schläft. Die Darsteller verleihen ihren Figuren viel Tiefe und Komplexität, allen voran Hauptdarsteller Mateusz Banasiuk und Marta Nieradkiewicz, die die resolute, selbstbewusste Freundin von Kuba spielt. Das einzige Manko des Films ist, dass er sich thematisch zu vielen Aspekten zuwendet. So will er neben den Inhalten der großen Liebe und sexuellen Abenteuer auch die Themen Klassen- und Familienkonflikte sowie Leistungsdruck abarbeiten.

Fazit: Thematisch leicht überfrachtetes, intensives und komplexes Drama über die universelle Frage, was (oder besser: wen) wir zum glücklich sein im Leben benötigen.





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