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Grenzgänger (2012)

Österreichisches Drama: Hans und seine Frau Jana betreiben im Grenzland zwischen Österreich und der Slowakei eine Gastwirtschaft und verdienen sich mit Schmuggel einiges Geld hinzu. Längst hat der Soldat Fuchs ein Auge auf das Paar geworfen – und setzt den jungen Soldat Ronnie auf das Paar an. Dadurch gerät die kriminelle Idylle in Gefahr...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.5 / 5

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Eine Einblendung zu Beginn weist darauf hin, dass die Ostgrenze Österreichs einst eine Grenze zwischen Ost und West war, die bis 2004 vom österreichischen Militär bewacht wurde.

2011 kehrt der Au-Fischer Hans (Andreas Lust) in seine alte Heimat zurück und findet ein verlassenes und verriegeltes Haus vor. Er erinnert sich an die Ereignisse im Jahre 2001, in dem der junge Soldat Ronnie (Stefan Pohl) auftauchte. Auf seinem Weg zum Wachturm kehrte er in der Gaststätte von Hans und seiner Frau Jana (Andrea Wenzl) ein und begann, mit Jana zu flirten. Diese Avancen blieben weder Hans noch Ronnies Kommandanten Fuchs (Martin Schwanda) verborgen. Längst hat Fuchs die Wirthausbetreiber (zu Recht) im Verdacht, Schmuggel zu betreiben. Zigaretten und Alkohol seien ihm egal, betont er. Aber er will verhindern, dass sie Menschen aus der Slowakei über die Grenze nach Österreich bringen. Deshalb beauftragt Fuchs den jungen Ronnie, sich dem Paar und insbesondere Jana zu nähern, damit er ihnen endlich das Handwerk legen kann.

Obwohl Hans ahnt, dass Fuchs hinter Ronnies Interesse an Jana steckt, ermuntert er seine Frau, auf die Flirtversuche des jungen Mannes einzugehen. Auf diese Weise – so hofft er – wird er das Interesse des Militärs zerstreuen können, so dass er weiterhin Menschen über die Grenze bringen kann. Widerwillig stimmt Jana zu. Sie fühlt sich benutzt, jedoch berühren sie schon bald die mal unbeholfenen und oftmals dreisten Flirtversuche des 23-jährigen Ronnie, der ihr weit mehr Aufmerksamkeit schenkt als ihr wortkarger Ehemann. Dadurch entspinnt sich allmählich ein gefährliches Spiel um Freiheit und Unabhängigkeit...

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Filmkritik

Das 2013 mit mehreren Österreichischen Filmpreisen ausgezeichnete Drama "Grenzgänger" von Florian Flicker wird insbesondere von den drei sehr guten Hauptdarstellern getragen. Andreas Lust verleiht dem traditionellen Au-Fischer Hans sehr viel Profil, ohne viele Worte zu verlieren. Er ist ebenso ein 'Grenzgänger' wie seine Frau Jana, die sich auf der einen Seite in ihrem gut abgestimmten Leben mit ihrem Ehemann eingerichtet hat und auch einst die Idee mit dem Schmuggel hatte. Doch auf der anderen Seite verdeutlichen die Bilder, die sie beim Ausnehmen der Fische zeigen, dass sie in diese Ruhe weniger zu Hause ist als ihr Mann. Dabei gibt Andrea Wenzel ihr eine interessante Mischung als Verletzlichkeit und Stärke, die in der ruhigen Ausstrahlung stets durchschimmert. Ebenso wie ihr Mann muss sie sich über ihre persönlichen und moralischen Grenzen bewusst werden. Ronnie hat hingegen bereits mit seiner Entscheidung, das Ehepaar auszuspionieren, eine Grenze überschritten. Stefan Pohl spielt diesen jugendlichen Möchtegern-Casanova und Westernheld mit einer gute Mischung aus Überheblichkeit und Leichtsinn, die durch seinen introvertierten Soldatenkameraden, der passenderweise gerade Goethes "Wahlverwandtschaften" liest, noch unterstreicht wird.

Zwischen diesen drei Figuren entspinnt sich in ruhigem Erzähltempo ein Beziehungsdrama, für das Kameramann Martin Gschlacht eindrucksvolle Bilder findet. Oftmals erinnern sie an einen Western; bereits die erste Szene – Hans‘ Rückkehr in die Au – ist ein langer establishing shot, in dem die Szenerie eingeführt wird, außerdem arbeitet Martin Gschlacht mit vielen Totalen und Halbnahen. Mitunter sprechen Personen, ohne dass sie zu sehen sind. Zugleich schafft das Licht und Hans Tätigkeit als Fischer und Schmuggler in der Dämmerung, der Nacht sowie am frühen Morgen eine idyllische und unterschwellig bedrohliche Atmosphäre, die die besondere Lebensweise des Paares gut in Bilder fasst und in denen das Spiel zwischen Licht und Dunkel die uneindeutigen Beziehungen markiert.

Zusammen mit dem gelungenen Soundtrack von Eva Jantschitsch und den Anleihen bei verschiedenen Adaptionen von "Wenn der Postmann zweimal klingelt" entsteht ein ruhiger, aber vielschichtiger Film, der lange nachwirkt. Vor allem ist hier Jana nicht eine manipulative femme fatale, sondern erkennt den Moment, in dem es für die Männer nur noch ums Gewinnen geht, als die Chance, auf die sie immer gewartet hat.

Fazit: "Grenzgänger" ist ein ruhiger Film über eine Dreieckskonstellation im österreichischen Grenzland, der insbesondere mit seinen Darstellern und der eindrucksvollen Kameraarbeit überzeugt.




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Land: Österreich
Jahr: 2012
Genre: Drama
Länge: 88 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 12.09.2013
Regie: Florian Flicker
Darsteller: Stefan Pohl, Andreas Lust, Andrea Wenzl
Verleih: barnsteiner-film, Alpenrepublik GmbH Filmverleih

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