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Grenzgänger - Poster
Grenzgänger - Poster
© Thimfilm

Kritik: Grenzgänger (2012)


Das 2013 mit mehreren Österreichischen Filmpreisen ausgezeichnete Drama "Grenzgänger" von Florian Flicker wird insbesondere von den drei sehr guten Hauptdarstellern getragen. Andreas Lust verleiht dem traditionellen Au-Fischer Hans sehr viel Profil, ohne viele Worte zu verlieren. Er ist ebenso ein 'Grenzgänger' wie seine Frau Jana, die sich auf der einen Seite in ihrem gut abgestimmten Leben mit ihrem Ehemann eingerichtet hat und auch einst die Idee mit dem Schmuggel hatte. Doch auf der anderen Seite verdeutlichen die Bilder, die sie beim Ausnehmen der Fische zeigen, dass sie in diese Ruhe weniger zu Hause ist als ihr Mann. Dabei gibt Andrea Wenzel ihr eine interessante Mischung als Verletzlichkeit und Stärke, die in der ruhigen Ausstrahlung stets durchschimmert. Ebenso wie ihr Mann muss sie sich über ihre persönlichen und moralischen Grenzen bewusst werden. Ronnie hat hingegen bereits mit seiner Entscheidung, das Ehepaar auszuspionieren, eine Grenze überschritten. Stefan Pohl spielt diesen jugendlichen Möchtegern-Casanova und Westernheld mit einer gute Mischung aus Überheblichkeit und Leichtsinn, die durch seinen introvertierten Soldatenkameraden, der passenderweise gerade Goethes "Wahlverwandtschaften" liest, noch unterstreicht wird.

Zwischen diesen drei Figuren entspinnt sich in ruhigem Erzähltempo ein Beziehungsdrama, für das Kameramann Martin Gschlacht eindrucksvolle Bilder findet. Oftmals erinnern sie an einen Western; bereits die erste Szene – Hans‘ Rückkehr in die Au – ist ein langer establishing shot, in dem die Szenerie eingeführt wird, außerdem arbeitet Martin Gschlacht mit vielen Totalen und Halbnahen. Mitunter sprechen Personen, ohne dass sie zu sehen sind. Zugleich schafft das Licht und Hans Tätigkeit als Fischer und Schmuggler in der Dämmerung, der Nacht sowie am frühen Morgen eine idyllische und unterschwellig bedrohliche Atmosphäre, die die besondere Lebensweise des Paares gut in Bilder fasst und in denen das Spiel zwischen Licht und Dunkel die uneindeutigen Beziehungen markiert.

Zusammen mit dem gelungenen Soundtrack von Eva Jantschitsch und den Anleihen bei verschiedenen Adaptionen von "Wenn der Postmann zweimal klingelt" entsteht ein ruhiger, aber vielschichtiger Film, der lange nachwirkt. Vor allem ist hier Jana nicht eine manipulative femme fatale, sondern erkennt den Moment, in dem es für die Männer nur noch ums Gewinnen geht, als die Chance, auf die sie immer gewartet hat.

Fazit: "Grenzgänger" ist ein ruhiger Film über eine Dreieckskonstellation im österreichischen Grenzland, der insbesondere mit seinen Darstellern und der eindrucksvollen Kameraarbeit überzeugt.





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