VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Halbe Brüder
Halbe Brüder
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Halbe Brüder (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Unter gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten ist Christian Alvarts ("Antikörper") erster Ausflug in das Komödienfach aktueller denn je. Umso ärgerlicher, dass die löbliche Integrationsbotschaft, die "Halbe Brüder" vermitteln will, in einem Feuerwerk platter Gags und kalkulierter Absurditäten versinkt. Clevere Selbstironie und ein gewitztes Spiel mit Vorurteilen blitzen nur sporadisch auf und werden zumeist bereitwillig für den nächsten Kalauer oder pseudolässigen Spruch geopfert. Noch gravierender ist allerdings, dass es die Macher abseits der Culture-Clash-Thematik nicht schaffen, das betont turbulente Roadmovie in wirklich anarchische Bahnen zu lenken.

Drei Halbbrüder mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen müssen sich zusammenraufen, um das Erbe ihrer gemeinsamen Mutter ausfindig zu machen – auf dem Papier mag diese Prämisse reizvoll geklungen haben, in der Ausführung entwickelt sie sich jedoch rasch zu einem ermüdenden Stationen-Hopping, das sich ärgerlicherweise auch noch über annähernd zwei Stunden erstreckt. Manche Witze sind dermaßen hohl, dass man sich glatt in einer Proll-Komödie aus den 90er Jahren wähnt. Und andere Pointen wollen ganz einfach deshalb nicht zünden, weil sie viel zu bemüht daherkommen. Besonders augenfällig ist dies am Beispiel des eingefleischten Rappers Addi (Tedros "Teddy" Teclebrhan), dessen mit Anglizismen durchsetzte Gangsterspreche die Nerven des Zuschauers gewaltig strapaziert.

Obwohl sich die Hauptdarsteller im Großen und Ganzen recht spielfreudig präsentieren, will so etwas wie ein dynamisches On-the-Road-Gefühl fast nie aufkommen. Vielmehr zerfällt der Film in viele einzelne Slapstick-Sequenzen, die zwar einige Überraschungen bereithalten, allerdings oftmals uninspiriert aneinandergereiht werden. Dass der augenzwinkernde Gastauftritt eines bekannten Schlagersängers zu den besten Momenten überhaupt zählt, sagt im Grunde schon genug über die Qualität des Drehbuchs aus. Emotional aufgeladene Nebenstränge sind durchaus vorhanden, gehen in der episodenhaften Struktur und im allgemeinen Kalauer-Trubel aber ständig unter. Mehr als formelhafte Muster bleiben am Ende nicht übrig, wenn die drei Protagonisten auf Fehmarn ihre Lektionen gelernt haben und den familiären Zusammenhalt plötzlich als höchstes Gut betrachten.

Leidtun kann einem vor allem Fahri Yardim, der sich mit Händen und Füßen gegen seine wenig ergiebige Rolle wehrt. Immer wieder scheint in seiner sympathisch-tollpatschigen Interpretation des verwöhnten Yasin eine Leichtigkeit auf, die dem ganzen Film gut zu Gesicht gestanden hätte. Dass "Halbe Brüder" trotz zahlreicher Unzulänglichkeiten erfolgreich die Kinos erobern könnte, ist allerdings gar nicht mal so abwegig. Immerhin stehen dem versierten Profi-Schauspieler Yardim der Rapper "Sido" und der Youtube-Star Tedros "Teddy" Teclebrhan zur Seite, die auf eine beträchtliche Fanbase zählen dürften. Wer derbe Zoten und eine von Anfang an äußerst konstruiert erscheinende Buddy-Handlung lustig findet, wird hier vielleicht auf seine Kosten kommen. Alle anderen sollten sich hingegen zwei Mal überlegen, ob sie dieser verunglückten Komödie wirklich eine Chance geben wollen.

Fazit: Bemühte Provokationen, dümmliche Kalauer, ein wenig Gefühl und ein Schuss Toleranzbestreben – "Halbe Brüder" will ein abgedrehter Roadmovie-Spaß sein, vermengt diese Zutaten aber zu einem ungenießbaren Komödienbrei.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.