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Das Geheimnis der Bäume
Das Geheimnis der Bäume
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Das Geheimnis der Bäume (2013)


Der französische Regisseur Luc Jacquet ist mit seinen Werken "Die Reise der Pinguine" und "Der Fuchs und das Mädchen" nicht nur jenen Zuschauern ein Begriff, die keinen Tier- und Naturfilm auslassen. Nun lenkt er die Aufmerksamkeit des breiten Publikums auf den gefährdeten tropischen Regenwald, genauer gesagt, auf die Lebendigkeit seiner Baumriesen. Anstatt selbst zu referieren, überlässt er es einem ausgewiesenen Kenner dieses Universums, Francis Hallé, die Zuschauer mit seiner Faszination für den Regenwald anzustecken.
Der vor der Kamera stumme Hallé führt mit seinen Beobachtungen, Erkenntnissen und Gedanken aus dem Off durch die Dokumentation. Bruno Ganz schenkt den ins Deutsche übersetzten Worten des Botanikers eine Ausdruckskraft, in der mal Staunen, mal Ehrfurcht mitschwingt. Wie es in französischen Naturdokumentationen öfter vorkommt, ist der Kommentar auch hier voller Poesie. Zum Beispiel kriechen die Lianen die Baumstämme hinauf, "um den Himmel zu erobern und in der Sonne zu baden".
Hallé erklärt, dass Bäume miteinander und mit ihrer sonstigen Umgebung kommunizieren – durchaus analog zur menschlichen Sprache. Folgerichtig setzt im Film geheimnisvolles Tuscheln und Raunen ein. Diese atmosphärische Komponente erweitert den mit Fakten gespeisten Gedankenraum um die Fantasie. Etwas Ähnliches passiert auf der visuellen Ebene: Hier werden die Aufnahmen im Regenwald mit Computeranimationen angereichert, und zwar im selben Bild. Zum Beispiel wachsen gezeichnete Pflanzen zwischen echten hoch, oder es flimmern bunte Punkte wie in einem Märchenfilm durch den Wald, wenn von den Duftstoffen die Rede ist, die die Bäume aussenden.
Jacquet beweist Mut, wenn er die traditionellen Mittel des Naturfilms auf so spielerische, unbeschwerte Art mit den Möglichkeiten der Computeranimation verknüpft. Man ist bislang kaum Filme gewöhnt, die naturwissenschaftlich orientiertes Wissen über einen Lebensraum vermitteln, indem sie seine Unberührtheit zeichnerisch aufbrechen. Der Informationsanspruch des Films verträgt sich auch gut mit seiner markanten poetischen Komponente. Ganz im Sinne von Hallés Botschaft ergibt sich so erst ein Ganzes: Der Mensch begreift die belebte Natur nicht nur mit dem Verstand, sondern auch, indem er sich mit seinen Sinnen als Teil von ihr empfindet.

Fazit: Die interessanten und anschaulich präsentierten Informationen über das Leben der Bäume im tropischen Regenwald sind nur ein Aspekt dieses sehenswerten, ungewöhnlichen Dokumentarfilms. Mit seinem poetischen Stil vermittelt er gleichzeitig Ehrfurcht vor einem in 700 Jahren gewachsenen Lebensraum.




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