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Irre sind männlich - Eine fast perfekte Masche
Irre sind männlich - Eine fast perfekte Masche
© Constantin Film

Kritik: Irre sind männlich - Eine fast perfekte Masche (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Von einer Therapie zur nächsten: In der romantischen Buddy-Komödie "Irre sind männlich" fehlt den beiden Hauptprotagonisten trotzdem weiter nichts. Sie haben einfach Lust auf Sex. Bei Familienaufstellungen, die viele schöne Frauen ja so mögen, hat Thomas leichtes Spiel: Entweder tröstet er eine in Tränen aufgelöste Teilnehmerin, oder er erzählt selber eine erschütternde Story, wie die von der Zwillingsschwester, die im Mutterleib starb. Erst entsteht emotionale Nähe, dann geht es ab ins Bett. Daniel lässt sich ein paar Mal mitziehen, obwohl ihn das schlechte Gewissen plagt. Aber mitgehangen, mitgefangen: Die Masche fliegt auf unangenehme Weise auf und die Männer werden von Amors Pfeil getroffen. Unter der Regie von Anno Saul ergibt das Ganze eine ziemlich holprige Komödie mit vielen, zum Teil lustigen Seitenhieben auf den Therapieboom.

Müssen denn Psychodramen immer echt sein, wenn sie sowieso auf dem Prinzip eines Rollenspiels basieren? Thomas findet, wichtig ist nur, dass ihm Frauen gerührt um den Hals fallen und ihm mit Sex für seine Emotionen danken. Der todernste Tonfall der Familienaufstellungen, das Hinausschreien der Vorwürfe an einen längst verstorbenen Vater, das herzzerreißende Abreagieren früher Kränkungen sind ein gefundenes Fressen für den satirischen Spott dieser Geschichte. Vor allem zielt er auf Frauen ab, deren Hobby die ständige psychische Inspektion ihrer Mitmenschen ist. Mia, Daniels Ex-Freundin, gehört zu dieser Kategorie, aber auch Daniels Mutter (Gabriele Schweighöfer). Umsonst sagt ihr der genervte Sohn, dass er mit ihrer Scheidung in seiner Kindheit kein Problem hatte, weil er den Vater am Wochenende besuchen konnte. Die Mutter behauptet dennoch, er sei traumatisiert: "Das sitzt tief!" Genüsslich wird die Aufstellungsmethode persifliert, wenn zum Beispiel verschiedene Teilnehmer zu Therapiezwecken sexuelle Begriffe verkörpern: die Vagina, das männliche Glied, die Libido.

Der Film behauptet nicht, dass alles Therapeutische nur Quatsch sei. Aber wie so oft, sind es weniger die Behandlungen an sich, sondern günstige Begleitumstände, die eine heilsame Wirkung ausüben. Sylvie, die tatsächlich ein Problem mit Nähe hat, wie sie es von einem Therapeuten attestiert bekam, stößt Thomas so lange herum, bis sie erkennt, wie gut ihr seine Anwesenheit tut. Allerdings wird die Romantik dann oberflächlich und zum Teil auch klischeehaft abgehandelt. Die Charaktere wirken nicht besonders attraktiv oder interessant, sondern sind in erster Linie dazu da, der Handlung als Spielfiguren zu dienen. Viele Scherze wirken auch eher uninspiriert, als gut durchdacht. Aus der Filmidee hätte man sicher noch einiges mehr herausholen können.

Fazit: Die romantische Buddykomödie über zwei Freunde, die als Therapiecrasher Frauen aufreißen, ist trotz einiger gelungener ironischer Seitenhiebe auf den Psychoboom holprig und nur mäßig attraktiv.





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