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Dessau Dancers
Dessau Dancers
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Kritik: Dessau Dancers (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Seit den Filmen "Sonnenallee" (1999) und Good Bye, Lenin!" (2003) ist die Ostalgie-Komödie eine feste Größe in der deutschen Kinolandschaft. So war erst vor kurzem die nach bekanntem Schema ablaufende Ostalgie-Komödie "Sputnik" (2013) zu sehen. "Dessau Dancers" versucht einen neuen Ansatz, indem der Fiktion und Realität verbindene Film eine Art von Ostalgie-Musical erschafft. Dabei herausgekommen ist eine Tanz-Komödie, die durchaus sympathisch, aber leider auch ziemlich unausgegoren ist. Amerikanische Tanzfilm-Klassiker wie "Saturday Night Fever" (1977) und "Flashdance" (1983) sind moderne Märchen von jungen Menschen, für die das Tanzen ein Weg ist ihren engen Verhältnissen zu entfliehen und sich selbst zu verwirklichen.

Da ist es eine naheliegende Idee als gesellschaftlichen Hintergrund für einen ebenfalls märchenhaften deutschen Tanzfilm die repressiven Verhältnisse in der einstigen DDR zu wählen. Mit Gordon Kämmerer als Frank und Sonja Gerhardt ("Schneeweißchen und Rosenrot") als Matti verfügt "Dessau Dancers" über zwei passende, sympathische Hauptdarsteller. Ihre Breakdance-Gruppe wird vervollständigt durch den ehemaligen Breakdance-Weltmeister Sebastian "Killa Sebi" in der Rolle des wilden Tänzers und Spaßvogels Oliver Konietzny. Die Verwendung der originalen alten Breakdance-Musik tut ihr Übriges dazu, dass in den Tanzszenen viel 80er-Jahre-Stimmung aufkommt. Doch die allzu schlichte Handlung und die mit einem äußerst groben Pinselstrich gezeichnete Fguren machen einen großen Teil der Freude an diesem Film wieder zunichte.

So besteht die Kommision für Unterhaltungskunst nicht nur erwartungsgemäß aus dicklichen, graugekleideten, Zigarre rauchenden und leicht begriffsstutzigen älteren Herrn. Wenn der Vorsitzende ins Bild gerückt wird, müssen zusätzlich auch noch eine Büste von Karl Marx und ein rotes Fähnchen mit Hammer und Meißel sichtbar werden. Diese Überdeutlichkeit ist wahrscheinlich witzig gemeint. Aber leider ist "Dessau Dancers" zu realistisch gehalten, als dass sich solche Überzeichnungen gut integrieren ließen. Anstatt den Versuch eines deutschen Tanzfilms wirklich konsequent als ein modernes Märchen anzulegen, bleibt das Ergebnis leider auf halben Wege zwischen einem biederen Realismus und einer Übersteigerung ins Märchenhafte hinein stehen.

Fazit: "Dessau Dancers" bietet sympatische Charaktere und schmissige Musik, misfällt jedoch letztendlich aufgrund seiner Halbherzigkeit und Mutlosigkeit.





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