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Von Mädchen und Pferden
Von Mädchen und Pferden
© Salzgeber & Co

Kritik: Von Mädchen und Pferden (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mädchen lieben Pferde, Reiten und Ferien auf dem Ponyhof. Diese Tatsache wissen die Jugendbuch- und die Fernsehfilmbranche seit Generationen zu nutzen. Die feministische Filmemacherin Monika Treut ("My Father is Coming", "Die Jungfrauenmaschine") aber setzt einen Kontrast zum Mainstream, wenn sie mit diesem Coming-of-Age-Drama an ihre Jugenderinnerungen in Norddeutschland anknüpft. Ihr Film spielt sich in einer Enklave ab, in der Männer allenfalls am Rande vorkommen. Die Reiterinnen können ein naturnahes Lebensgefühl von Freiheit und Selbstbestimmung auskosten, wie es schon die Amazonen schätzten. Treut sagt, dass ihr im schwierigen Teenageralter "der intensive Kontakt zu den Pferden und Ponys und zu den gleichaltrigen Mädchen ein anderes Selbstbewusstsein gegeben" habe.
Also hat die Regisseurin mit ihrer Filmfigur Alex keine klischeehafte Umerziehungsgeschichte im Sinn. Zwar trägt die Hauptfigur anfangs eine Null-Bock-Attitüde zur Schau und reagiert eher verhalten auf den Alltag aus Arbeit, Disziplin und frischer Luft. Aber die Reitlehrerin Nina ist nicht nur fordernd, sondern auch positiv, vertraut Alex und lässt ihr persönliche Freiheiten. Man erwartet im Grunde ständig, dass das alles schiefgeht, dass Alex wie ein schwelender Vulkan irgendwann ausbricht. Der Film deutet eine solche Entwicklung auch an, gerade als die beiden Mädchen allein zurückbleiben und sich betrinken. Indem die Handlung mit Konventionen spielt und sich dennoch eingefahrenen Gleisen verweigert, entsteht ein spannender Suspense. Er wird durch die Wortkargheit und die beiläufigen Andeutungen von Problemen und Konflikten noch verstärkt.

Als Low-Budget-Film auf dem Hof Rickelsbüll nahe der dänischen Grenze gedreht, bekommt das Drama eine fast dokumentarische, minimalistische Qualität. Die Bauern spielen in Nebenrollen mit, das Drehbuch lässt Raum für Improvisation. Der Alltag mit den Pferden bildet das realitätsbezogene Zentrum, um das sich die menschlichen Beziehungen gruppieren. Die Wiesen, der Strand, der Himmel, die Schreie der Gänse, das Blöken der Schafe formen eine Naturkulisse, die den Atem befreit. Die Pferde schauen draußen aus nächster Nähe in die Kamera, als erwachten sie gerade aus einem Traum. Und Kathy und Alex bewerfen sich mit Heu, wälzen sich im Schlamm. Dass Nina lesbisch ist und sich zwischen Alex und Kathy eine romantische Anziehung andeutet, ist für die Geschichte an sich nicht unbedingt wichtig. Die sinnliche Qualität des Films trifft allgemein auf große Zurückhaltung bei der Figurenzeichnung. Vor allem Alex, aber auch Kathy sind nicht konturiert genug, um dem Publikum wirklich nahe zu kommen.

Fazit: Ein norddeutscher Reiterhof bildet den stimmungsvollen Schauplatz für die sinnliche, naturnahe, aber auch sehr verhalten erzählte Coming-of-Age-Geschichte, in der zwei Mädchen, eine Reitlehrerin und die Pferde weitgehend unter sich sind.







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