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Kritik: Gespensterjäger (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die deutsch-österreichisch-irische Produktion unter der Regie von Tobi Baumann verwandelt die Buchvorlage von Cornelia Funke in ein reichlich aufgemotztes Abenteuer für die ganze Familie. Die Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft ist im Film keine großmütterliche Figur, sondern deutlich jünger. Sie arbeitete zu Beginn der Geschichte noch bei einer Geheimorganisation mit dem neckischen Namen CGI, die Gespenster in der Kanalisation mit Hightechinstrumenten und -waffen aufspürt. So wichtig dieses Institut auch zu sein scheint, steht im Zentrum der Handlung aber vielmehr ein ängstlicher Junge. Zusammen mit einem sogenannten MUG – Mittelmäßig Unheimliches Gespenst - und Frau Kümmelsaft muss er einen monströsen Geist bekämpfen. Der Realfilm mit seinen animierten Gespenstern und aufwändigen visuellen Effekten ist für eine internationale Vermarktung konzipiert und daher auf Englisch gedreht worden. Die deutschen Darsteller haben für die Synchronfassung ihre Texte noch einmal eingesprochen.

Leider wirkt die Geschichte nicht aus einem Guss, sondern versucht, viele auseinanderstrebende Bestandteile irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Da ist der junge Außenseiter, den die eigenen Eltern (Christian Ulmen, Julia Koschitz) für mehr oder weniger sonderbar halten. Wie er seine Angst vor Gespenstern schrittweise in den Griff kriegt und sich mit Hugo anfreundet, gehört zu den schönsten Szenen des Films. Hugo ist ein rundliches Schleimwesen von der Farbe eines Grasfrosches, das fröhlich durch die Luft schwebt. Es bringt Frische und Komik in eine Geschichte, die ansonsten allzu ernst angelegt ist. Toms familiäre Probleme und der rüde Umgangston in der Geheimorganisation der Gespensterjäger, die an die "Men in Black" erinnern sollen, sorgen wiederholt für Irritationen. Welche individuellen Probleme Hedwig Kümmelsaft, ihre Chefin (Karoline Herfurth) und ihren Kollegen plagen, bleibt ziemlich unverständlich. Ihre üble Laune soll wohl generell die Atmosphäre von düsteren Agentenfilmen imitieren und womöglich auch persiflieren. Die Gefahr einer Eiszeit, die das UEG heraufbeschwört, besteht schon aufgrund einiger missratener Dialoge. Als Frau Kümmelsaft dem Monster scheinbar in die Falle geht, sorgt sich ihre Chefin laut um ihre Karriere. Aus dem Wunsch heraus, cool und schnodderig zu wirken, erschlägt das Drehbuch den Witz mit dem Holzhammer.

Die raue Sprache und die vielen thematischen Sprünge im Film lassen den Charakteren nicht viel Gelegenheit, emotionale Plausibilität zu entwickeln. Der englische Hauptdarsteller Milo Parker spielt sehr engagiert, aber trotz Hugo und Anke Engelke bleibt er in einer wie am Reißbrett konzipierten Geschichte gefangen, die erstaunlich wenig Charme entfaltet.

Fazit: Ein giftgrüner Animations-Geist, ein kleiner Junge und eine verkrachte Gespensterjägerin irren durch eine auf Biegen und Brechen zur Familienunterhaltung aufgemotzte Kindergeschichte, der es im Vergleich zur Buchvorlage von Cornelia Funke deutlich an Charme fehlt.





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