VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Charlie Mariano
Charlie Mariano
© Real Fiction

Kritik: Charlie Mariano (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Charlie Mariano wuchs als Sohn italienischer Einwanderer in den USA auf, wo er auch sein musikalisches Handwerk erlernte. Mariano, der Größtenteils mit Opernmusik aufwuchs, kam erst mit 17 Jahren zu seinem Instrument. In den USA spielte er mit Jazz-Größen wie Charlie Parker oder Dizzy Gillespie. Als er mit seinen musikalischen Engagements und Auftritten nicht mehr genug Geld für seinen Lebensunterhalt verdienen konnte, entschloss er sich in den 70er-Jahren, die USA zu verlassen. Ab 1986 wohnte Mariano in der deutschen Metropole Köln, in der er bis zu seinem Tod 2009 lebte. Während seiner Zeit in Europa gelang es ihm, zu einer musikalischen Größe und wahren Inspiration junger Musiker zu werden. Charlie Mariano gehörte auch zu den ersten Saxofonisten überhaupt, die Weltmusik spielten. Doch auch der Popmusik verschrieb er sich: so wirkte er z.B. auf Produktionen und Alben von populären Musikern wie Herbert Grönemeyer oder Konstantin Wecker mit. Bis zu seinem Krebstod verewigte er sein prägnantes Spiel auf mehr als 300 CD's und Schallplatten.

Der Bassist Charlie Mingus bezeichnete das melancholische, intensive Saxofon-Spiel von Mariano einst als "Tears of Sound", Leid- und Freudentränen als Klang. Von den beeindruckenden Fertigkeiten Marianos, der 2009 im Alter von 85 Jahren starb, kann sich der Zuschauer ausgiebig in der weitestgehend gelungenen Doku "Last Visits" überzeugen. Filmemacher Engstfeld war in den letzten beiden Lebensjahren oft an Marianos Seite und begleitete ihn privat wie auf der Bühne. So auch bei seinem großen Geburtstagskonzert im November 2008 im Stuttgarter Theaterhaus, zu dessen "Hausband", dem United Jazz & Rock Ensemble, er lange Jahre gehörte. "Last Visits" legt seinen Schwerpunkt auf die Konzertszenen, was bei den herausragenden Fähigkeiten von Mariano am Saxofon auch Sinn ergibt. Somit hält sich der Film auch nicht allzu lange und ausgiebig mit Interviews und Gesprächen auf, sondern stellt Mariano und seine lyrisch-poetischen Klänge klar ins Zentrum.

"Last Visits" verzichtet dabei nicht vollständig auf informierende, einordnende Interviews. In ausgewählten Gesprächen mit musikalischen Wegbegleitern und Bandmitgliedern (vor allem mit Keyboarder Mike Herting und Trompeter Matthias Schriefl), aber auch mit Mariano selbst, zeichnet der Film das ereignisreiche Leben des gebürtigen Bostoners nach. Dabei verzichtet Engstfeld auf eine allzu ausladende Fülle an interviewten Personen, was dem Film sehr gut tut und ihn nicht unnötigerweise überfrachtet. Insgesamt gelingt dem Regisseur ein stimmiges, intimes Porträt des Musikers Charlie Mariano. Wieso er aber vollständig auf den Einsatz von älteren Archivbildern oder Originalaufnahmen früherer Auftritte und Konzerte verzichtet hat, erschließt sich leider nicht.

Fazit: Stimmiges, gefühlvolles Porträt eines begnadeten Jazz-Musikers, das seinen Schwerpunkt auf die Musik legt aber leider gänzlich auf Archivaufnahmen verzichtet.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.