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FBW-Bewertung: Frau Müller muss weg (2013)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Der deutsche Schulalltag als Komödie. Diesmal wird die Geschichte aber nicht aus der Sicht von Schülern erzählt, sondern der Aufstand der Eltern ist Gegenstand dieses Films. Frau Müller, die Grundschullehrerin, steht im Mittelpunkt. Die Eltern wollen sie nicht mehr als Lehrerin für ihre Kinder. Jeder von ihnen hat dafür einanderes Motiv. So erleben wir fünf Charakterstudien aufgebrachter Eltern, die genial besetzt ihre Wirkung entfalten. Die Energische, die keine Kompromisse eingeht, ergebnisorientiert, Elternsprecherin; ergänzt durch weitere Stereotypen wie die Verständnisvolle, der Einfühlsame, die Opferbereiteund schließlich: die Lehrerin ? lebensnah, energisch, selbstbewusst aber doch empfindsam. In diesem Ensemble sind alle menschlichen Schwächen und Stärken vertreten und kommen unter Stress zum Ausbruch.
Der Regisseur versteht es, seine Protagonisten gleichberechtigt zum Zuge kommen zu lassen.Sie werden ernst genommen, jeder hat seinen großen Auftritt. Die Differenzierung in den Charakteren fällt angenehm auf und lässt auch andere als bloße schadenfrohe Lacher aufkommen. Szenen wie das unfreiwillige Tauchbad sind als visuelle Abwechslung gut eingebaut, auch der übersprudelnde Kakaoautomat bereitet Freude. Hier weicht der Film gelungen vom Theaterstück ab, ohne seine Wirkung zu verfehlen. Die Einheit des Stücks wird gewahrt und die Szenen werden als organisch wahrgenommen. Als Gesellschaftskritik und Beschreibung von teils absurden Eltern-Ängsten gelingt es dem Film, trotzseines ernsten Themas, die Komik der Situation angemessen zu beschreiben und auf die Spitze zu treiben.
Im dritten Akt schließlich rundet sich erwartungsgemäß die Geschichte und die Lehrerin hat ihren großen Auftritt. Der Abschlussgag schließlich lässt alle noch mal unterschiedlich gut aussehen.
Eine Komödie des eher direkten, mitunter derben Humors, der auch auf die niederen Triebe wie Schadenfreude und Besserwisserei abzielt und auf jeden Fall seine Zielgruppe, mindestens bei Eltern von Grundschülern, aber auch darüber hinaus, finden wird.



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