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Die schöne Krista
Die schöne Krista
© barnsteiner-film

Kritik: Die schöne Krista (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Krista ist eine Kuh, die vor allem schön aussehen muss. Was in diesem Fall heißt: Trotz ihrer stattlichen Statur und ihres riesigen Euters soll sie auch elegant, oder wie ihr Züchter Jörg Seeger sagt, adelig wirken. Ihr ganzer Körper glänzt vor Sauberkeit, das weiße Schwanzhaar ist buschig gekämmt. Nicht nur in Deutschland überzeugt sie so die Preisrichter bei Wettbewerben, auch in Italien schafft sie es auf das Siegertreppchen. Die beiden Dokumentarfilmer Antje Schneider und Carsten Waldbauer zeigen, wie viel Arbeit hinter einem solchen Erfolg steckt und warum er für einen Züchter erstrebenswert ist.

Krista findet den Hype um ihr Aussehen eher blöd. Kaum hat Jörg Seegers Frau Janine sie shampooniert und abgeduscht, reibt sie ihr edles Haupt auch schon wieder mit Erde ein. Den Sinn des Modellstehens für Fotoaufnahmen begreift sie erkennbar nicht. Aber sie behandelt die Menschen um sie herum mit viel Nachsicht. Auch als man ihr das eigene Kälbchen wegnimmt, protestiert sie eher resigniert. Wer die Tierhaltung generell ablehnt, wird sich durch diesen Film bestätigt fühlen. Aber die Seegers gehen mit ihren Nutztieren durchaus liebevoll um und sprechen sie sogar mit Kosenamen an.

Der Film zeigt, dass die Milchkuhzucht ein knallhartes Geschäft ist. Wie Seeger erklärt, müssen die Wettbewerbs-Tiere die gewünschten Eigenschaften des durchschnittlichen Rinds im Extrem verkörpern. Da geht es um die Milchleistung und die Stärke des Euters, um Körpergröße und Kraft. Rinderzüchter bestellen von den preisgekrönten Tieren gerne Samen, Embryonen oder ausgetragenen Nachwuchs. Seeger hofft, für Kristas Kälber 6000 bis 7000 Euro zu bekommen, die der Hof gut gebrauchen könnte. Auf den Tierauktionen, den Leistungsschauen und Wettbewerben fängt der Film eine ganz eigene Welt ein. Zum nüchternen Geschäft kommt oft eine feierliche Stimmung hinzu, mit Livemusik und Tränen in den Augen des siegreichen Züchters. Die Auswahl der schönsten Kuh wird als Höhepunkt betont spannend inszeniert.

Die Dokumentation ist hauptsächliche beobachtend, verzichtet auf Off-Kommentar und nachhakende Interviewfragen. Auch idyllische Landaufnahmen im Wechsel der Jahreszeiten finden Eingang. Indem der Film auf eine eigene Wertung der zwiespältigen Eindrücke zwischen Natur und Geschäft verzichtet, wirft er indirekt viele Ethik- und Sinnfragen auf, mit denen er das Publikum allein lässt.

Fazit: Der Dokumentarfilm schaut sich beobachtend in der merkwürdigen Welt der Schönheitswettbewerbe für Milchkühe um. Er liefert interessante und kontroverse Einblicke in das Geschäft der Rinderzucht, lässt aber eine konkrete Zielrichtung und eine eigene Wertung vermissen.





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