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My Sweet Pepper Land
My Sweet Pepper Land
© Rapid Eye Movies

Kritik: My Sweet Pepper Land (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"My Sweet Pepper Land" ist das neueste Werk des in Frankreich lebenden irakischen Regisseurs Hiner Saleem. Saleem - der mit 17 Jahren nach Italien floh - ist vor allem für seine Filme "Wodka Lemon" (2004) und "Kilometre zero" (2005) bekannt. Mit beiden Filmen räumte er zahlreiche Filmpreise überall auf der Welt ab, so z.B. in Venedig und Cannes. Für die Hauptrolle in "My Sweet Pepper Land" gewann er Golshifteh Farahani, welche unter anderem die weibliche Hauptrolle in dem viel gerühmten "Stein der Geduld" (2012) gespielt hat. Der an die legendären Italo-Western eines Sergio Leone angelehnte "My Sweet Pepper Land" ist eine gelungene, gefühlvolle Mischung aus Drama und Komödie, die durch ihre starken Darsteller und die Unberührtheit der kurdischen Region besticht.

Vieles in "My Sweet Pepper Land" erinnert an die Western eines Sergio Leone aus den mittleren und späten 60er-Jahren. Da wäre zum einen die raue Optik der unberührten, beeindruckenden Natur und Region, in der die Geschichte angesiedelt ist. Oder auch der inhaltliche Aspekt, dass die Hauptfigur in ein verlassenes Kaff gelangt, in dem ein korrupter, fieser Gauner Land und Leute beherrscht. Und nicht zuletzt die musikalische Untermalung des Films, die deutlich an den Leone-Haus-und-Hofkomponist Ennio Morricone erinnert. Immer wieder stellt der Soundtrack - der auch traditionelle kurdische Klänge enthält - mit seinen düsteren Motiven und schauerlich-klagenden Klängen eine Hommage an den großen italienischen Komponisten dar.

Zudem gelingt Regisseur Saleem eine homogene Mischung aus Drama und leichter Komödie. Sein Film vereint tragische, traurige Momente, etwa wenn sich Govend immer wieder den Schikanen der anderen Dorfbewohner ausgesetzt sieht. "My Sweet Pepper Land" überzeugt dann aber auch immer wieder und trotz aller Melancholie mit extrem schwarzhumorigen, fast sarkastischen Momenten. Bestes Beispiel: Die großartige Eröffnungsszene, die das peinliche Scheitern einer Hinrichtung durch den Strang zeigt und sich auf fast zehn Minuten Länge ausdehnt. Komik und Tragik liegen hier extrem dicht beisammen. Darüber verleihen die beiden Hauptdarsteller ihren tragischen Figuren Baran und Govend - zwischen denen sich schon bald ein zartes Liebesband entspinnt - ein nuanciertes, ausgeklügeltes Gestik- und Mimikspiel. Und zuletzt sorgen die epischen Aufnahmen der kargen Gebirgslandschaften Kurdistans für echte optische Schauwerte.

Fazit: "My Sweet Pepper Land" ist großes Gefühlskino vor atemberaubender Kulisse, das auf gekonnte Weise komische und tragische Szene mischt.




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