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Karneval! - Wir sind positiv bekloppt (2013)

Doku über Jecken unterschiedlichen Alters und ihre Vorbereitungen auf die vorösterliche 5. Jahreszeit in KölnKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.0 / 5

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Karneval, das bedeutet in Köln nicht nur einige Tage vor der österlichen Fastenzeit noch einmal richtig zu feiern, zu trinken und zu tanzen. Für viele Kölner und Kölnerinnen bestimmt die sogenannte fünfte Jahreszeit nämlich das ganze Leben, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, von der Geburt bis ins hohe Alter. Zu den zahllosen Jecken, die dem närrischen Treiben hoffnungslos verfallen sind, gehört auch die Tänzerin und Choreografin Biggi Fahnenschreiber, die mit über 80 Jahren noch das Tanzbein schwingt und den jungen Funkenmariechen genau wie den reiferen Herren vom Männerballett die richtigen Schritte beibringt. Ganz am Anfang seiner karnevalistischen Laufbahn steht hingegen der 9-jährige Stephan Dahm, der das Publikum mit kölschen Liedern unterhält und sich während der Saison vor Aufträgen kaum retten kann. Auch Tobias Eschweiler ist mit seinen 15 Jahren noch ein Neuling im Karnevalsgeschäft und versucht sich als Büttenredner, doch seine Nervosität und der hohe Druck, der auf ihm lastet, stehen ihm dabei oft im Weg. So zeigt sich der Kölner Karneval abseits von Rosenmontagszug und ausufernden Besäufnissen einmal von einer ganz anderen Seite.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse2 / 5

Claus Wischmanns Dokumentarfilm über das vorösterliche Treiben in Köln beginnt durchaus reizvoll, wenn der aus Westfalen stammende Regisseur einen distanzierten Blick auf den rheinischen Frohsinn wirft und Aufnahmen vom Rosenmontagszug mit Johann Strauss' "Frühlingsstimmen" unterlegt. Der Effekt ist eine Verfremdung, die auch diejenigen nicht verschrecken sollte, die mit Karnevalshits und Marschmusik so gar nichts anfangen können. Anhand einiger Protagonisten beobachten Wischmann und sein Team kommentarlos den Karneval im Entstehen und erlauben Einblicke in eine wenig ausgelassene Spaß-Maschinerie. Denn dass der kölsche Fastelovend vor allem harte Arbeit, Drill und viel Training bedeutet, machen die Aufnahmen von den monatelangen Vorbereitungen für das große Ereignis unmissverständlich deutlich.

Doch mit voranschreitender Laufzeit und der beginnenden Karnevalssaison verliert sich Wischmanns Film immer mehr im bunten Getümmel. Die Erkenntnisse, die aus der Distanz gewonnen werden, werden nie vertieft und auf soziale, politische oder historische Einordnungen wird konsequent verzichtet. Das ist umso bedauernswerter, da das Material und die Erzählungen der Protagonisten immer wieder interessante Aspekte bereithalten, die eine näher gehende kritische Betrachtung verdient hätten. Doch statt sich mit den strengen Hierarchien, dem streitbaren Lokalpatriotismus oder den konservativen Geschlechterrollen im Karneval auseinanderzusetzen, gerät "Karneval! Wir sind positiv bekloppt" immer mehr zu einer affirmativen Bebilderung der üblichen Karnevalsszenarios von der Büttenrede bis zum Kneipenbesäufnis. Alle, die sich in das im Titel beschworene "Wir" nicht einfühlen können oder wollen, dürften daher auch nur wenig mit Wischmanns Dokumentation anfangen können. Zudem dürfte aufgrund der fehlenden Vermittlung von Hintergrundinformationen und des kölschen Dialekts für Nicht-Rheinländer vieles im Film rätselhaft sowie unverständlich bleiben.

Fazit: Trotz eines vielversprechenden Einstiegs und interessanter Ansätze gerät Claus Wischmanns Dokumentarfilm immer mehr zu einer Aneinanderreihung typischer Karnevalsszenen. Eine kritische Kontextualisierung des Phänomens Karneval bleibt dabei ebenso aus wie die Vermittlung von Hintergrundwissen.




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Land: Deutschland
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 06.11.2014
Regie: Claus Wischmann
Verleih: W-Film

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