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Karneval! - Wir sind positiv bekloppt
Karneval! - Wir sind positiv bekloppt
© W-Film

Kritik: Karneval! - Wir sind positiv bekloppt (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Claus Wischmanns Dokumentarfilm über das vorösterliche Treiben in Köln beginnt durchaus reizvoll, wenn der aus Westfalen stammende Regisseur einen distanzierten Blick auf den rheinischen Frohsinn wirft und Aufnahmen vom Rosenmontagszug mit Johann Strauss' "Frühlingsstimmen" unterlegt. Der Effekt ist eine Verfremdung, die auch diejenigen nicht verschrecken sollte, die mit Karnevalshits und Marschmusik so gar nichts anfangen können. Anhand einiger Protagonisten beobachten Wischmann und sein Team kommentarlos den Karneval im Entstehen und erlauben Einblicke in eine wenig ausgelassene Spaß-Maschinerie. Denn dass der kölsche Fastelovend vor allem harte Arbeit, Drill und viel Training bedeutet, machen die Aufnahmen von den monatelangen Vorbereitungen für das große Ereignis unmissverständlich deutlich.

Doch mit voranschreitender Laufzeit und der beginnenden Karnevalssaison verliert sich Wischmanns Film immer mehr im bunten Getümmel. Die Erkenntnisse, die aus der Distanz gewonnen werden, werden nie vertieft und auf soziale, politische oder historische Einordnungen wird konsequent verzichtet. Das ist umso bedauernswerter, da das Material und die Erzählungen der Protagonisten immer wieder interessante Aspekte bereithalten, die eine näher gehende kritische Betrachtung verdient hätten. Doch statt sich mit den strengen Hierarchien, dem streitbaren Lokalpatriotismus oder den konservativen Geschlechterrollen im Karneval auseinanderzusetzen, gerät "Karneval! Wir sind positiv bekloppt" immer mehr zu einer affirmativen Bebilderung der üblichen Karnevalsszenarios von der Büttenrede bis zum Kneipenbesäufnis. Alle, die sich in das im Titel beschworene "Wir" nicht einfühlen können oder wollen, dürften daher auch nur wenig mit Wischmanns Dokumentation anfangen können. Zudem dürfte aufgrund der fehlenden Vermittlung von Hintergrundinformationen und des kölschen Dialekts für Nicht-Rheinländer vieles im Film rätselhaft sowie unverständlich bleiben.

Fazit: Trotz eines vielversprechenden Einstiegs und interessanter Ansätze gerät Claus Wischmanns Dokumentarfilm immer mehr zu einer Aneinanderreihung typischer Karnevalsszenen. Eine kritische Kontextualisierung des Phänomens Karneval bleibt dabei ebenso aus wie die Vermittlung von Hintergrundwissen.





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