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Kritik: Los Ángeles (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Coming-of-Age-Geschichte aus dem Süden Mexikos erzählt davon, wie es ist, mit dem Traum von amerikanischem Wohlstand aufzuwachsen. Wie die meisten anderen Männer des Dorfes soll auch der Jugendliche Mateo als illegaler Arbeiter in die USA ziehen. Das erwarten sein Großvater und seine Mutter von ihm, weil die Familie das Geld braucht, das er ihnen schicken wird. Schon jetzt bestimmt Mateos Zukunft in Los Angeles sein Denken und seine Entscheidungen. Der Kontakt mit einer kriminellen Gang bringt ihn in eine Zwickmühle, aus der ihm niemand heraushelfen kann. Der amerikanische Regisseur Damian John Harper, der an der Münchner Filmhochschule studiert hat, gibt mit diesem Drama aus deutscher Produktion sein Spielfilmdebüt. Schauplatz der Handlung ist das Dorf Santa Ana del Valle, in dem Harper einst als Ethnologe arbeitete. Der Regisseur besetzte alle Rollen mit Bewohnern des Dorfes, die zur Bevölkerungsgruppe der indianischen Zapoteken gehören.

Im Grunde handelt es sich um einen Ensemblefilm, auch wenn Mateo im Mittelpunkt steht. Denn der Zusammenhalt und das gemeinschaftliche Leben im Dorf prägt die ganze Geschichte. Jeder ist stolz auf seine Angehörigen in Los Angeles und ihre Erzählungen vom dort erreichten Lebensstandard. Zur großen Fiesta aber kehrt Lidias (Lidia García) Sohn nicht wie erwartet zurück und bald erreicht sie ein alarmierender Anruf aus dem Gefängnis. Denn die Szene der illegalen Immigranten in Los Angeles wird von Gangs beherrscht, deren Einfluss auch im Dorf wächst und den Frieden bedroht. Offenbar aber hat all dies so gut wie nichts mit den mexikanischen Drogenkriegen zu tun. So ist die Gang im Dorf auch noch in einer Außenseiterposition, die Gemeinschaft weit davon entfernt, moralisch zu kapitulieren.
Die zentrale Figur des Mateo muss früh Verantwortung übernehmen, ohne darauf ausreichend vorbereitet zu sein. Eigene Interessen, etwa die zarten Liebesbande zur jungen Nachbarin, haben das Nachsehen. Die Laiendarsteller, die ihre persönlichen Erfahrungen in die Geschichte einbringen, sorgen für eine hohe Authentizität. Die Alltagssituationen wirken gut beobachtet, gerade auch weil sie nicht auf negative, dramatische Themen reduziert sind. Indem der Regisseur die meisten Charaktere mit Sympathie porträtiert, gelingt es ihm, Verständnis für ihre besondere Lage als Pendler zwischen den Kulturen zu wecken.

Fazit: Das Coming-of-Age-Drama eines mexikanischen Jugendlichen ermöglicht spannende und fundierte Einblicke in die Probleme eines Dorfes, aus dem viele Männer zum Arbeiten nach Los Angeles gehen. Die Dorfbewohner spielen sich weitgehend selbst, was dem Spielfilm eine besondere Authentizität verleiht.





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