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Tableau noir - Eine Zwergschule in den Bergen
Tableau noir - Eine Zwergschule in den Bergen
© dejavu filmverleih

Tableau noir - Eine Zwergschule in den Bergen (2013)

Tableau noir

Schweizerische Doku: Ein Jahr im Kosmos einer kleinen Schule im Jura. Die Wirklichkeit gewordene Utopie einer Klasse, in der 6- bis 12-Jährige gemeinsam unterrichtet werden. Ein Lehrer, der sie zu begeistern weiss. Schülerinnen und Schüler, ihr Vergnügen beim Lernen, ihr Glück, ihre Tränen, ihre Neugierde und Lebensfreude.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.8 / 5

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Der Dokumentarfilm porträtiert den Lehrer und die Kinder einer Zwergschule im schweizerischen Kanton Neuchâtel im Verlauf eines Jahres. Gilbert Hirschi ist Anfang 60 und diente drei Generationen von Schülern in der Region La Montagne als Lehrer. In der Grundschule von Derrière-Pertuis sind sechs- bis elfjährige Kinder in einer einzigen Klasse zusammengefasst. Am Vormittag kommt die Teilzeit-Pädagogin Debora Ferrari, um die Erst- und Zweitklässler zu unterrichten, am Nachmittag ist Hirschi für alle Schüler zuständig. Er steuert auch den Schulbus selbst, mit dem er die Kinder täglich abholt und wieder heimfährt.
Der Unterricht in dieser altersgemischten Klasse ist sehr ganzheitlich und praxisbezogen. Hirschi geht mit den Kindern hinaus in die Natur, macht chemische Experimente, lässt sie die Zahl Pi in einem Versuch selbst errechnen. Es wird musiziert und Theater gespielt und auch ein Aufenthalt im Landschulheim steht auf dem Programm. Aber dann wird die Schule als eine der letzten ihrer Art geschlossen, nachdem die Bürger der Gemeinde mehrheitlich für das Aus stimmen. Hirschi geht 2008 in den vorzeitigen Ruhestand und die Kinder müssen fortan einen längeren Schulweg in Kauf nehmen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Der Dokumentarfilm des schweizerischen Regisseurs Yves Yersin ist nicht der erste, der der ländlichen Zwergschule als aussterbende Institution ein Denkmal setzt. Bereits 2002/2003 eroberte Nicolas Philiberts Porträt einer französischen Dorfschule, "Sein und Haben", die Herzen des internationalen Kinopublikums. Die Beobachtung des Unterrichts in der eidgenössischen Primarschule von Derrière-Pertuis kurz vor ihrer Schließung orientiert sich stark an diesem berühmten Filmvorbild. Yersins Werk schafft es nicht, aus dem Schatten des Vorgängers herauszutreten. Aber das Thema Grundschule besitzt an sich genügend nostalgischen Reiz und zeitlose Aktualität, um es immer wieder filmisch zu behandeln. Dieser Beitrag dürfte vor allem ein Publikum ansprechen, das sich für alternative Schulformen, ganzheitlichen und altersgemischten Unterricht interessiert.

In der kleinen französischsprachigen Schule im Jura-Gebirge betreuen die größeren Schüler die Sechs- und Siebenjährigen mit. Sie helfen ihnen zum Beispiel beim Anlegen der Ski, wenn es im Winter zum Üben auf den Hang vor dem Schulhaus geht. Der weißhaarige Lehrer, der schon ihre Eltern unterrichtet hat, versteht es souverän, sich in ständigem Wechsel auf Schulanfänger und größere Kinder einzulassen. Er wirkt, als habe er das Gesamtgeschehen stets im Blick, ohne je die Ruhe zu verlieren. Yersin wollte nach eigenen Angaben vor allem zeigen, wie in einer solchen traditionellen Schulform unterrichtet wird, nämlich weniger frontal als in der leistungsorientierten modernen Grundschule. Den Lerneifer und die Wissbegierde der Kinder zu beobachten, wenn sie malen, rechnen oder spielerisch einen Bewässerungskanal anlegen, ist sehr reizvoll. Die Erkundungen in der Natur im Wechsel der Jahreszeiten verstärken den Eindruck des ganzheitlichen Lernens.

Im Laufe des mit 117 Minuten doch ziemlich lang geratenen Films kristallisieren sich einzelne Kinderpersönlichkeiten als besonders charmant heraus. Es macht auch Spaß, ihren Auseinandersetzungen in der Gruppe zu folgen. Aber Yersin legt bei weitem nicht so viel Wert wie der Regisseur von "Être et avoir" auf die vertiefende Beobachtung der Beziehung einzelner Schüler zu ihrem Lehrer. Auch werden die Kleinen hier nicht so viel in ihrem häuslichen Umfeld gezeigt, so dass man über ihre Lebensumstände kaum etwas erfährt. Ebenfalls rätselhaft ausgeblendet bleiben die nur am Rande erwähnten Konflikte in der Gemeinde im Vorfeld der Schulschließung. Aber es ist schön, eine Weile mitzuerleben, wie die Kinder in diesem behüteten, beinahe familiären Gruppengefüge gemeinsam lernen.

Der Dokumentarfilm setzt einer traditionellen Zwergschule in der Schweizer Bergen kurz vor ihrer Schließung ein liebevolles Denkmal. Er würdigt gleichzeitig die Lebensleistung eines engagierten Grundschulpädagogen, der seinen Unterricht ganzheitlich und praxisbezogen gestaltet. Dabei kommt der Film aber nicht an die emotionale Intensität von "Être et avoir" heran.




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Land: Schweiz
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation
Länge: 117 Minuten
Kinostart: 16.10.2014
Regie: Yves Yersin
Darsteller: Gilbert Hirschi, Debora Ferrari, Sophie Jacot
Verleih: dejavu filmverleih

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