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Tableau noir - Eine Zwergschule in den Bergen
Tableau noir - Eine Zwergschule in den Bergen
© dejavu filmverleih

Kritik: Tableau noir - Eine Zwergschule in den Bergen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm des schweizerischen Regisseurs Yves Yersin ist nicht der erste, der der ländlichen Zwergschule als aussterbende Institution ein Denkmal setzt. Bereits 2002/2003 eroberte Nicolas Philiberts Porträt einer französischen Dorfschule, "Sein und Haben", die Herzen des internationalen Kinopublikums. Die Beobachtung des Unterrichts in der eidgenössischen Primarschule von Derrière-Pertuis kurz vor ihrer Schließung orientiert sich stark an diesem berühmten Filmvorbild. Yersins Werk schafft es nicht, aus dem Schatten des Vorgängers herauszutreten. Aber das Thema Grundschule besitzt an sich genügend nostalgischen Reiz und zeitlose Aktualität, um es immer wieder filmisch zu behandeln. Dieser Beitrag dürfte vor allem ein Publikum ansprechen, das sich für alternative Schulformen, ganzheitlichen und altersgemischten Unterricht interessiert.

In der kleinen französischsprachigen Schule im Jura-Gebirge betreuen die größeren Schüler die Sechs- und Siebenjährigen mit. Sie helfen ihnen zum Beispiel beim Anlegen der Ski, wenn es im Winter zum Üben auf den Hang vor dem Schulhaus geht. Der weißhaarige Lehrer, der schon ihre Eltern unterrichtet hat, versteht es souverän, sich in ständigem Wechsel auf Schulanfänger und größere Kinder einzulassen. Er wirkt, als habe er das Gesamtgeschehen stets im Blick, ohne je die Ruhe zu verlieren. Yersin wollte nach eigenen Angaben vor allem zeigen, wie in einer solchen traditionellen Schulform unterrichtet wird, nämlich weniger frontal als in der leistungsorientierten modernen Grundschule. Den Lerneifer und die Wissbegierde der Kinder zu beobachten, wenn sie malen, rechnen oder spielerisch einen Bewässerungskanal anlegen, ist sehr reizvoll. Die Erkundungen in der Natur im Wechsel der Jahreszeiten verstärken den Eindruck des ganzheitlichen Lernens.

Im Laufe des mit 117 Minuten doch ziemlich lang geratenen Films kristallisieren sich einzelne Kinderpersönlichkeiten als besonders charmant heraus. Es macht auch Spaß, ihren Auseinandersetzungen in der Gruppe zu folgen. Aber Yersin legt bei weitem nicht so viel Wert wie der Regisseur von "Être et avoir" auf die vertiefende Beobachtung der Beziehung einzelner Schüler zu ihrem Lehrer. Auch werden die Kleinen hier nicht so viel in ihrem häuslichen Umfeld gezeigt, so dass man über ihre Lebensumstände kaum etwas erfährt. Ebenfalls rätselhaft ausgeblendet bleiben die nur am Rande erwähnten Konflikte in der Gemeinde im Vorfeld der Schulschließung. Aber es ist schön, eine Weile mitzuerleben, wie die Kinder in diesem behüteten, beinahe familiären Gruppengefüge gemeinsam lernen.

Der Dokumentarfilm setzt einer traditionellen Zwergschule in der Schweizer Bergen kurz vor ihrer Schließung ein liebevolles Denkmal. Er würdigt gleichzeitig die Lebensleistung eines engagierten Grundschulpädagogen, der seinen Unterricht ganzheitlich und praxisbezogen gestaltet. Dabei kommt der Film aber nicht an die emotionale Intensität von "Être et avoir" heran.





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