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Kritik: Shana - Das Wolfsmädchen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Coming-of-Age-Drama des italienisch-schweizerischen Regisseurs Nino Jacusso erzählt von einem jungen indianischen Mädchen, das seiner toten Mutter nachtrauert. Die einfühlsame Geschichte, die sich mit Spiritualität und Brauchtum der amerikanischen Ureinwohner befasst, basiert auf dem Roman "Shana, das Wolfsmädchen" von Federica De Cesco. Der Regisseur drehte den Film in einem kanadischen Reservat und fand seine Darsteller unter den Bewohnern. Gemeinsam mit ihnen entwickelte er auch das Drehbuch, um der Geschichte möglichst viel Authentizität zu geben.

An der Schwelle zum Erwachsenwerden durchlaufen die indianischen Jugendlichen vom Stamm der Scw'exmx in British Columbia einen Initiationsritus, den sie "Vision Quest" nennen. Sie gehen für drei Tage und drei Nächte allein in die Wälder, um mit den Geistern der Ahnen in Kontakt zu treten. Auch Shana wird am Ende des Films eine solche spirituelle Reise unternehmen. Aber auch davor deutet die Geschichte eine starke Verbindung des Mädchens zur Welt der Geister an, die gleichzeitig eine große Nähe zur Natur bedeutet: Wenn Shana Geige spielt, dann sucht sie darauf Klänge, die sie in einen Dialog mit den Bäumen, den Geräuschen des Waldes treten lassen. Der weiße Wolf, der ihr folgt, steht auf geheimnisvolle Weise mit der Mutter und auch mit ihr selbst in Beziehung. Was ist wahr, was nur geträumt? Der Film verwischt die Trennlinie zwischen Außen- und Innenwelt, wie sie in der weißen, europäisch geprägten Kultur besteht: Die Geister, die Shana manchmal sieht, sind für sie so reell wie der Wolf, und die wichtigen Weichen in ihrem Leben werden in der Traumwelt gestellt. Es ist die Aufgabe der indianischen Lehrerin, Shana zu erklären, dass sie ihrer eigenen Kultur nicht den Rücken kehren muss, wenn sie auf die Musikschule in die große Stadt geht. So begleitet sie das Mädchen auf seiner Suche nach einem individuellen Weg ins Leben.

Oft ergänzt der Film die gewohnte Sinneswahrnehmung auf stilistisch ansprechende Weise. Mit den Augen des Wolfs betrachtet, erscheint alles in blaue und lilafarbene Töne getaucht. Wenn Shana träumt, werden die Aufnahmen sehr hell und farbreduziert. Die Geister, die erscheinen, sind manchmal ebenfalls fast durchscheinend hell, manchmal aber sehen sie wie Menschen aus Fleisch und Blut aus. Die weise Urmutter, der Shana begegnet, spricht sogar mit ihr. Es gibt faszinierende andere Möglichkeiten, die Welt zu sehen, als die uns vertraute. Shana und andere indianische Jugendliche müssen einen schwierigen Spagat zwischen Tradition und Moderne, kultureller Identität und Teilhabe an der westlichen Zivilisation bewältigen. Dieser schön inszenierte, atmosphärisch intensive Film stimmt optimistisch, dass dies gelingen kann.

Fazit: Das atmosphärisch intensive Coming-of-Age-Drama eines indianischen Mädchens befasst sich auf ernsthafte und spannende Weise mit der Spiritualität amerikanischer Ureinwohner und übersetzt sie in überzeugende Bilder.




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