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What is Left? (2013)

What is Left

Italienische Doku: Reise in das politische Italien, in dem vor allem eine große Konfusion herrscht und wo auch innerhalb des Mitte-Links Lagers die großen Ideale von einst, wenn nicht ganz verloren, so doch immer verborgener erscheinen. Ein Italien, das aber auch stellvertretend für die Situation in ganz Westeuropa steht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Die beiden italienischen Filmemacher Gustav Hofer und Luca Ragazzi wählen traditionell links. Aber im Wahljahr 2013 können sie sich über den Zustand der sozialdemokratischen Partei PD (Partito Democratico) nur wundern. Sie wird kalt erwischt vom Erfolg des Populisten Beppe Grillo und seiner Bürgerbewegung, die sich weder als links-, noch als rechtsgerichtet versteht. Nach der Wahl herrscht Uneinigkeit innerhalb der PD, der Vorsitzende tritt zurück, bald wird eine Regierungskoalition ausgerechnet mit dem politischen Gegner, Berlusconis Popolo della Libertà, und einer weiteren Partei aus dem bürgerlichen Lager gebildet.
Die Regisseure fragen sich ernüchtert, ob die großen Tage der Kommunisten und Sozialisten in Italien für immer vorbei sind. Ratsuchend gehen sie auf lokale Parteiversammlungen, sprechen mit neuen und alten Parlamentariern, liefern sich zu zweit heftige Dispute. Denn klar scheint nur eines zu sein: Niemand kann mehr genau sagen, was linksgerichtete Politik alles leisten soll und in welcher Reihenfolge. Und die vielen schönen Ziele, die ihnen hier und dort genannt werden, ergeben auch kein schlüssiges Ganzes.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Dokumentarfilm von Gustav Hofer und Luca Ragazzi liefert den vergnüglichen Beweis, dass ein politisches Thema auch humorvoll behandelt werden kann. Die Regisseure, die privat ein Paar sind, setzen wie zuletzt 2011 in "Italy – Love it or Leave it" erneut auf spritzige, satirisch gefärbte Dialoge, um wie beiläufig gesellschaftliche Widersprüche oder Missstände auf den Punkt zu bringen. Nun rechnen sie ohne falsche Scheu mit dem Zustand der politischen Linken im Land ab und mit der eigenen Konfusion als Bürger, die gern wüssten, wohin der Weg geht.
Der quirlige, verspielte und dabei intelligente Film spricht nicht nur Zuschauer an, die sich gut in der italienischen Politik auskennen. Die häufig wechselnden Parteienbündnisse und Koalitionen im Parlament, die manchmal etwas chaotisch anmuten, mögen zwar tatsächlich eine italienische Spezialität sein. Aber der Zulauf, den neue Protestparteien erfahren, die sich wie Grillos Fünf-Sterne-Bewegung als Alternative zum etablierten Politbetrieb verstehen, ist ein europäisches Phänomen. Und die linken Parteien tun sich nicht nur in Italien seit dem Ende des Ostblocks schwer damit, zeitgemäße Programme zu entwickeln, mit denen sie sich klar von anderen abgrenzen. Die Filmemacher stellen fest, dass sie sich als linke Wähler in vielen Fragen so wenig einig sind, wie die Parteimitglieder und -kandidaten innerhalb der PD und im linksalternativen Lager. Die Politiker, an die sie sich um Rat wenden, reden erschreckend oft in nebulösen Floskeln, manche äußern skurrile oder auch völlig antiquierte Ansichten, andere wiederum sind in erster Linie frustriert. Vor der gnadenlosen Kamera der Filmemacher klingen diese gesammelten Statements und Zielformulierungen dann wie eine Persiflage, sind aber echt und ernst gemeint.

Hofer und Ragazzi führen auch selbstironisch vor, wie stark ihre eigenen Ansichten abweichen. Lustiger Höhepunkt ihrer Dispute ist eine TV-Quiz-Parodie, in der sie unterstellende Fragen mit Richtig oder Falsch beantworten müssen: Soll man als Linker für die philippinische Putzfrau Sozialabgaben zahlen? Die visuelle Gestaltung ist geprägt vom flotten, häufigen Szenenwechsel und auflockernden Passagen, zu denen auch kleine Animationen zählen. Insgesamt ist diese Bestandsaufnahme eine lustige, freche und verblüffend geistreiche Auseinandersetzung mit Politik und der Sehnsucht nach funktionierenden Idealen.

Fazit: Die italienischen Dokumentarfilmer Gustav Hofer und Luca Ragazzi wundern sich, was aus der ehemals großen Linken in ihrem Land geworden ist. Ihre satirischen Erkundungen im Politbetrieb sind mit geistreichem Dialogwitz und verblüffenden Erkenntnissen gespickt.




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Land: Italien
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation
Länge: 74 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 12.06.2014
Darsteller: Gustav Hofer, Luca Ragazzi
Verleih: dejavu filmverleih

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