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What is Left
What is Left
© dejavu filmverleih

Kritik: What is Left? (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Gustav Hofer und Luca Ragazzi liefert den vergnüglichen Beweis, dass ein politisches Thema auch humorvoll behandelt werden kann. Die Regisseure, die privat ein Paar sind, setzen wie zuletzt 2011 in "Italy – Love it or Leave it" erneut auf spritzige, satirisch gefärbte Dialoge, um wie beiläufig gesellschaftliche Widersprüche oder Missstände auf den Punkt zu bringen. Nun rechnen sie ohne falsche Scheu mit dem Zustand der politischen Linken im Land ab und mit der eigenen Konfusion als Bürger, die gern wüssten, wohin der Weg geht.
Der quirlige, verspielte und dabei intelligente Film spricht nicht nur Zuschauer an, die sich gut in der italienischen Politik auskennen. Die häufig wechselnden Parteienbündnisse und Koalitionen im Parlament, die manchmal etwas chaotisch anmuten, mögen zwar tatsächlich eine italienische Spezialität sein. Aber der Zulauf, den neue Protestparteien erfahren, die sich wie Grillos Fünf-Sterne-Bewegung als Alternative zum etablierten Politbetrieb verstehen, ist ein europäisches Phänomen. Und die linken Parteien tun sich nicht nur in Italien seit dem Ende des Ostblocks schwer damit, zeitgemäße Programme zu entwickeln, mit denen sie sich klar von anderen abgrenzen. Die Filmemacher stellen fest, dass sie sich als linke Wähler in vielen Fragen so wenig einig sind, wie die Parteimitglieder und -kandidaten innerhalb der PD und im linksalternativen Lager. Die Politiker, an die sie sich um Rat wenden, reden erschreckend oft in nebulösen Floskeln, manche äußern skurrile oder auch völlig antiquierte Ansichten, andere wiederum sind in erster Linie frustriert. Vor der gnadenlosen Kamera der Filmemacher klingen diese gesammelten Statements und Zielformulierungen dann wie eine Persiflage, sind aber echt und ernst gemeint.

Hofer und Ragazzi führen auch selbstironisch vor, wie stark ihre eigenen Ansichten abweichen. Lustiger Höhepunkt ihrer Dispute ist eine TV-Quiz-Parodie, in der sie unterstellende Fragen mit Richtig oder Falsch beantworten müssen: Soll man als Linker für die philippinische Putzfrau Sozialabgaben zahlen? Die visuelle Gestaltung ist geprägt vom flotten, häufigen Szenenwechsel und auflockernden Passagen, zu denen auch kleine Animationen zählen. Insgesamt ist diese Bestandsaufnahme eine lustige, freche und verblüffend geistreiche Auseinandersetzung mit Politik und der Sehnsucht nach funktionierenden Idealen.

Fazit: Die italienischen Dokumentarfilmer Gustav Hofer und Luca Ragazzi wundern sich, was aus der ehemals großen Linken in ihrem Land geworden ist. Ihre satirischen Erkundungen im Politbetrieb sind mit geistreichem Dialogwitz und verblüffenden Erkenntnissen gespickt.




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