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Ephraim und das Lamm
Ephraim und das Lamm
© Neue Visionen

Kritik: Ephraim und das Lamm (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des äthiopischen Regisseurs Yared Zeleke trägt autobiografische Züge. Zeleke widmet es seiner Großmutter, mit der er gerne in der Küche stand und kochte. Auch er verlor schon als Junge, wie der Protagonist Ephraim, sein Elternhaus. Das Coming-of-Age-Drama erzählt am Beispiel dieses Kindes von den Problemen eines Landes im Wandel. Zwischen der traditionellen bäuerlichen Kultur und dem modernen Leben in der Großstadt tun sich gewaltige Gräben auf. Der Klimawandel mit seinen Dürreperioden verstärkt die Not der Landbevölkerung und reißt Familien auseinander. Der Film ist durchdrungen von der Liebe des Regisseurs zu seiner Heimat und ermöglicht differenzierte, authentische Einblicke in das Alltagsleben und die Mentalität der Menschen.

Ephraim ist mit seiner Liebe für das Lamm Chuni und mit seinen Kochkünsten – beides erinnert ihn an seine verstorbene Mutter – in den Augen der Männer kein richtiger Junge. Kochen ist ausschließlich Frauenarbeit und Solomon duldet nicht, dass der Sohn seines Cousins ihm Schande macht. Die geschlechtlichen Rollen sind auf dem Land äußerst rigide: Die älteste Tochter Tsion muss so schnell wie möglich an den Mann gebracht werden, bevor es zu spät ist. Aber Tsion, die lesen kann, hat anderes im Sinn. Ihre modernen Ansichten und ihr Wissen über Dünger und den Klimawandel verstören ihre Familie jedoch. Die Tradition wird autoritär hoch gehalten: In der Familie schwingen der Vater und seine Mutter die Peitsche. Dennoch gibt es in diesem Familiengefüge immer auch Zuneigung und Wärme, weil die Meinungen der Mitglieder stark auseinandergehen und sich spontane Koalitionen bilden. So ist auch Ephraim nicht immer nur Außenseiter und die Geschichte hält seiner Not auch seinen Optimismus und starken Willen entgegen.

Das Alltagsleben wird in ruhigen Einstellungen geschildert. Die Hütte Solomons liegt im grünen Hochland, in einer imposanten Berglandschaft. Ephraim erkundet mit Chuni einen verbotenen Wald und wird, wie in einem Märchen, für ein paar Augenblicke mit seinen Eltern wieder vereint. Sein Drama dient zwar als roter Faden, aber der Film beeindruckt vor allem wegen der differenzierten Einblicke in die Alltagskultur und die Lebensumstände in Äthiopien. Sie ermöglichen, zusammen mit der Schönheit der Natur, echte Entdeckungen.

Fazit: Der äthiopische Spielfilm über einen Jungen, der bei Verwandten auf dem Land leben muss, bietet spannende Einblicke in den Alltag einer bäuerlichen Gesellschaft im Wandel. In dem ruhigen Drama nimmt die Kamera die grandiose Natur des grünen Hochlands ausgiebig ins Visier. Die naive Perspektive des Jungen und der differenzierte Realismus der gesamten Geschichte ergeben eine ansprechende Kombination.




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