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Concerning Violence (2013)

Doku über die afrikanischen Befreiungsbewegungen der 60er und 70er Jahre, zusammengestellt aus neu entdecktem Archivmaterial über die gewaltvolle Konfrontation mit den KolonialmächtenKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Bereits für seinen Debütfilm "The Black Power Mixtape 1967-1975" hat der schwedische Regisseur Göran Olsson Archivmaterial montiert, das schwedische Journalisten in dieser Zeit von der Bürgerrechtsbewegung in den USA gedreht haben. In "Concerning Violence – Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence" greift er nun abermals auf Archivmaterial zurück und zeigt schlaglichtartig den Unabhängigkeitskampf in Afrika der 1960er und 1970er Jahre. Dabei unterlegt er diese Bilder mit Passagen aus Frantz Fanons Entkolonialisierungsmanifest "Die Verdammten dieser Erde".

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Concerning Violence


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Am Anfang von "Concerning Violence" steht eine kurze Einführung der New Yorker Literaturprofessorin Gyatri Chakravorty Spivak, die die Geschichte und Wirkung von Frantz Fanons "Die Verdammten der Erde" zusammenfasst, jenem Buch, dass die Wirkungsweisen und Strukturen von Kolonisation eindringlich und hellsichtig darlegt. Danach folgen neun Kapitel, die vom Streik in einer Mine in Liberia über den missionarischen Eifer eines schwedischen Ehepaars in Tansania bis hin zum bewaffneten Kampf der FRELIMO in Angola reichen. Unterlegt sind die Aufnahmen von der Familie eines Arbeiters, die auf der Straße von Soldaten ausgesetzt werden, von dem jungen Robert Mugabe, der von der Zukunft des damaligen Rhodesien spricht, von Soldatinnen und einer Frau, deren Arm amputiert wurde, mit den Texten Fanons, vorgelesen von Lauryn Hill.

Mit dieser Montagetechnik erreicht Olsson zweierlei: Zum einen verdeutlicht er Fanons Konzepte und Überlegungen, belegt sie mit Bildern aus dem realen Kampf in Afrika. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn Olsson kritischer vorgegangen wäre und Fanons Ideen nicht so sehr auf die Berechtigung von Gewalt im Befreiungskampf reduziert hätte. Zum anderen aber regt er zum Nachdenken über die Gegenwart an. Wenn der später ermordete Präsident Burkina Fasos, Thomas Sankara, die westliche Entwicklungshilfe scharf kritisiert und sehr deutlich macht, dass es keinen Anreiz für den Anbau von Nahrungsmitteln gibt, wenn man den Überfluss anderer Ländern geschenkt bekommt, erinnern diese Argumente an die Kritik gegen die Lebensmittel aus der EU. Auch das Fazit, dass sich der Reichtum Europas auf die Ausbeutung Afrikas gründet, stimmt nachdenklich. Denn weiterhin sorgt die instabile Lage in vielen afrikanischen Ländern dafür, dass globale Konzerne ihre Profite vermehren. Und aufgrund dieser Anregungen zum Nachdenken lassen sich manche Unstimmigkeiten im Rhythmus und das Fehlen von etwas mehr Hintergrundinformationen auch verschmerzen.

Fazit: "Concerning Violence" ist ein nachdenklich stimmendes Essay über die Rolle Europas in der Geschichte und Gegenwart Afrikas.




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Land: Schweden, Finnland, Dänemark, USA
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation
Länge: 78 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 18.09.2014
Regie: Göran Olsson
Darsteller: Lauryn Hill
Verleih: Arsenal Distribution

Zusatzinformation

Gewinner des "CINEMA fairbindet"-Sonderpreises der Berlinale 2014.

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