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Kritik: Geron (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Geron" ist das neue Werk des kanadischen Filmemachers und Fotografen Bruce LaBruce, der auf das Inszenieren von "Queer"-Filmen spezialisiert ist. In diesem Jahr konnte er auf der Berlinale mit seinem ambitionierten Schwarz-Weiß-Film "Pierrot Luniare" bereits den Teddy-Award gewinnen. Mit "Geron" legt LaBruce nun eine ungewöhnliche Geschichte über die Liebesbeziehung eines jungen Mannes zu einem älteren Mann im Rahmen eines zeitlich begrenzten Altenheim-Aufenthaltes vor. Die Story ist dabei ebenso besonders und außergewöhnlich wie die Art der Bebilderung, die aber wiederrum typisch für die Bildsprache von LaBruce ist. Sein visueller Stil ist geprägt von schwelgerischen Aufnahmen, die in Zeitlupe präsentiert und immer wieder durch Nahaufnahmen weiter fokussiert und noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. So ist eine gefühlvolle, elegische Romantic-Comedy mit tollen Darstellern und wichtiger Botschaft entstanden.

"Geron" ist durchzogen von abseitigen, alles andere als normalen Beziehungen und Konstellationen. Die Hauptfigur ist ein künstlerisch begabter 18-jähriger, der eine Vorliebe für (wesentlich) ältere Männer hat. Einen solchen lernt er durch seinen Sommer-Job in einem Heim kennen - und lieben. Die Beziehung zwischen Lake und dem humorvollen Mr. Peabody (einfühlsam gespielt von Walter Borden) ist etwas außergewöhnliches, dann aber wiederrum doch ganz alltäglich. Sie scheinen ineinander verliebt zu sein, ohne sexuell bis zum Äußersten zu gehen. Dennoch durchlaufen sie die bekannten Muster "gewöhnlicher" Beziehungen - vom schüchternen Kennenlernen über den ersten Austausch von Berührungen bis hin zu Streitigkeiten und der anschließenden Versöhnung. Regisseur LaBruce bezeichnet seinen Film äußerst passend als "schwule Variante von Harold und Maude".

Ebenso sonderbar ist das Verhältnis zwischen Lake und seiner Freundin Desiree. Sie sehen sich selbst als "Freund" und "Freundin", es kommt zum Austausch von Zärtlichkeiten und sie scheinen einander zu brauchen. So ganz "gängig" scheinen die Beiden augenscheinlich aber auch nicht veranlagt zu sein - sonst hätte Lake kein Interesse an älteren Männern und Desiree keine offensichtliche Vorliebe für "Rocker"-Frauen. Hier kommt auch eine der zentralen Botschaften des Films zum Tragen, die unaufdringlich und jederzeit glaubwürdig vermittelt wird: erlaubt ist, was gefällt und die Neigungen eines Menschen sind vielfältig sowie keinen allgemeingültigen Normen und Regeln geschuldet. Darüber hinaus ist der Film geprägt von wunderschönen Bildern und Eindrücken einer kanadischen Vorstadt-Idylle. Die Aufnahmen der stets Ruhe und Besinnlichkeit ausstrahlenden (Außen-) Kulissen sind verträumt, fast poetisch. Ebenso melancholisch kommen viele sich innerhalb des Heims abspielende Szenen und Sequenzen daher, etwa wenn Lake gefühlte minutenlang in Zeitlupe regelrecht durch die Flure des Altenheims schwebt oder wenn die Pflege bzw. medizinische Versorgung der Patienten in langen Einstellungen und in Nahaufnahme gezeigt und "zelebriert" wird.

Fazit: Poetische, alternative Version von "Harold und Maude" über eine alles andere als gängige Liebesbeziehung.





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