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Kritik: No Man's Land (2013/II)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"No Man's Land" vom chinesischen Regisseur Ning Hao ist ein Actionfilm, ein Roadmovie und eine schwarze Komödie, die sich optisch an den Spaghetti-Western eines Sergio Leone und inhaltlich an Quentin Tarantino orientiert. Das klingt nicht nur gut, sondern ist es auch. Im Prinzip macht Ning Hao hier alles richtig. Das gelbbraune Bild atmet förmlich Wüstensand. Und wie bei Meister Leone wechselt das Breitwandbild von beeindruckenden Panoramen der kargen Wüstenlandschaft zu Großaufnahmen der zerfurchten Gesichter der Protagonisten. Von seiner Bildgestaltung her erfüllt der Film höchste technische Standards. Was fehlt ist eine wirklich eigene Handschrift.

Inhaltlich sieht es ähnlich aus. Der Film folgt einer sehr gradlinigen Entwicklungslinie von schlimm zu immer schlimmer. Die Dramaturgie ähnelt der von Oliver Stones Film "U-Turn" aus dem Jahre 1997. Zwar gibt es zum Schluss ein sehr versöhnliches Ende. Doch dieses wirkt so unpassend, dass gemunkelt wird, dass sich hier anscheinend der chinesische Zensor – und nicht der Regisseur – frei kreativ entfaltet hat. Von der Charakterzeichnung ist es so, dass der skrupellose Anwalt Pan Xiao als Hauptfigur eigentlich ein klarer Unsympath ist. Allerdings begegnet er in einer derartig beeindruckenden Riege an degenerierten Landeiern, dass er im Vergleich fast schon wieder sympathisch wird.

Die Falkenjäger und Tankstellenbesitzer, mit denen es Pan Xiao zu tun bekommt, wirken fast so unmenschlich, wie die tatsächlichen Mutanten in "The Hills Have Eyes". Der Film ist eine Parodie auf den in China immer extremer werdenden Kontrast zwischen den Bewohnern der hypermodernen Städte und den von dieser Entwicklung völlig abgehängten Landbewohnern. Auf dem Land leben diesem Film zu Folge anscheinend nur schlitzohrige Dumpfbacken und in der Stadt skrupellose Karrieristen. Dies ist leider das einzige eigenständige Element in einem Film, der zwar unterhaltsam ist, sich aber am Ende ähnlich leer, wie die gezeigte Xinjiang-Wüste anfühlt.

Fazit: "No Man's Land" ist so schnieke wie Anwalt Pan Xiao, so grotesk wie die fiesen Falkenjäger und so leer wie die Xinjiang-Wüste.





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