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Kritik: Oktober November (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Götz Spielmann ist hierzulande längst kein Unbekannter mehr. Mit seinen beiden Werken "Antares - Studien der Liebe", einem hochemotionalen Drama von 2004, und dem für einen Oscar nominierten Thriller-Drama "Revanche" vier Jahre später, machte sich der 53-Jährige einen Namen als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autorenfilmer. Seinen Status als Regisseur, der vordergründig scheinbar einfachen Geschichten und minimalistischen Handlungen Tiefe und Emotionalität verleiht, untermauert er mit seinem neuesten Film, dem Familien-Drama "Oktober November". Der nachdenkliche, stringent inszenierte Film ist ein sehenswertes Drama mit starken darstellerischen Leistungen, das sich zudem nicht schwierigen und komplexen Themen wie Tod und geschwisterlicher Eifersucht verschließt.

"Oktober November" ist nur auf den ersten Blick ein einfach gestrickter Film mit linearer Erzählweise und einer Handlung, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt. Je länger der Film dauert, desto klarer wird, wie reichhaltig und verworren eigentlich die von Regisseur Spielmann angeschnittenen Themen und Problemstellungen sind. Zunächst einmal ist "Oktober November" ein Film über die Beziehung zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dementsprechend verschiedene Lebensentwürfe vorzuweisen haben. Darüber hinaus ist der Film aber auch ein gefühlsbetontes Drama über eine zerrissene Familie, ein lange gehütetes Familiengeheimnis, den Prozess des Sterbens und schließlich den Tod. Der Film wird dabei bevölkert von mitunter schwer zu fassenden, vielschichtigen Charakteren, die von den Darstellern ausnahmslos herausragend verkörpert werden.

Besonders großes Lob gebührt den beiden Hauptdarstellerinnen Nora von Waldstätten und Ursula Strauss, die die beiden Schwester spielen, deren Verhältnis alles andere als leicht ist. Beide Frauen scheinen - auf den ersten Blick - zumindest im privaten und beruflichen Bereich alles erreicht zu haben. Auf der einen Seite steht Sonja, die nur ihren eigenen beruflichen Erfolg im Kopf und es in Berlin zu einer beachteten Schauspielerin gebracht hat. Auf der anderen Seite Verena, die sich ihr Leben lang für die Familie aufgeopfert und ihrer Lieben wegen auf ein besseres Leben an der Seite eines attraktiven Arztes (nüchtern verkörpert von Sebastian Koch) verzichtet hat. So mannigfaltig die Schwestern und deren Lebenswege sind: die Tatsache, dass sie sich selbst kaum kennen und wenig Gespür für ihre eigene Identität haben, eint sie wiederrum. Regisseur Spielmann lässt sich viel Zeit, um die beiden Charaktere ausführlich einzuführen und deren Wesen in kleinen Gesten und kurzen Szenen nuancenartig deutlich werden zu lassen. Wunderschön fotografiert sind zudem die atmosphärischen, nebelverhangenen Bilder der umgebenden österreichischen, vereinzelt mit Schnee bedeckten Hügel und epischen Berglandschaften, die sinnbildlich für die Vergänglichkeit und Melancholie des Lebens stehen.

Fazit: Herausragend gespieltes, ruhig erzähltes Familien-Drama mit prachtvollen Natur-Bildern und einigen Antwort-Versuchen auf die wesentlichen, zentralen Fragen des Lebens.




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