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Whiskey Tango Foxtrot
Whiskey Tango Foxtrot
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Whiskey Tango Foxtrot (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit 46 Jahren ist Tina Fey bereits ein alte Häsin im komischen Fach. Nach ersten Erfahrungen am Chicagoer Improvisationstheater The Second City wechselte sie 1997 zur Kultsendung "Saturday Night Life" nach New York, bei der sie 1999 zur jüngsten Chefautorin aufstieg. Von 2006 bis 2013 produzierte, schrieb und spielte Fey neben Alec Baldwin die von ihr entwickelte Fernsehserie "30 Rock", die zwar geringe Zuschauerzahlen aufwies, ihr jedoch viel Kritikerlob und jede Menge goldene Statuetten einbrachte. Allein im Kino konnte Tina Fey bislang nicht recht punkten. Das wird auch "Whiskey Tango Foxtrot" nur ansatzweise ändern.

Obwohl Tina Fey offiziell nicht am Drehbuch beteiligt war, weht jede Menge ihres Humors durch diesen Film. Mit Autor Robert Carlock und Co-Produzent Lorne Michaels sind zwei ihrer langjährigen Weggefährten mit an Bord. Situationskomik, etwa als der Wind der Journalistin Kim Baker (Fey) in Kabul erst das Tuch vom Kopf und dann die Dollarscheine aus der Hand bläst, wechseln sich mit visuellem Witz und schlagfertigen Dialogen ab. Die Gags, meist als klassische Einzeiler formuliert, sind scharfzüngig und hintergründig. Carlock zielt dabei vornehmlich auf den Zusammenprall der Kulturen – sowohl auf den von Afghanen und Amerikanern als auch auf den von Militär und Zivilisten. Dabei verirren sich aber immer wieder ziemlich plumpe Pointen in diese Komödie. Carlocks Bild von Afghanistan und dessen Hauptstadt Kabul, die den Journalisten wie eine riesige, vor der Realität geschützte Blase erscheint, ist arg begrenzt. Zur Situation der Frauen fällt ihm außer ein paar Burka- und Schleierwitzen und ständig lüsterner Männer, die – egal welcher Herkunft – ziemlich klischiert daherkommen, wenig ein.

Diese Einfallslosigkeit läuft dem Anspruch der Komödie zuwider. Denn hinter all den amüsanten Episoden des Kulturschocks lugt stets eine tragische, sozialkritische Komponente hervor. In kleinen Momenten der Erkenntnis stellen Soldaten dann nüchtern fest, dass der Krieg in Afghanistan ein vergessener ist, oder erkennt Kim Baker, dass all die gutgemeinte Entwicklungshilfe nichts nützt, wenn die Helfer das Land und dessen Menschen nicht verstehen. Zwei Allgemeinplätze, gewiss, "Whiskey Tango Foxtrott" vermag es in seinen gelungenen Szenen dennoch, diese eindrücklich zu vermitteln.

Der permanente Stimmungswechsel ist das größte Problem diese Komödie. Letztlich gelingt es Glenn Ficarras und John Requas Regie zu selten, einen einheitlicher Ton zu treffen. Die Themenfülle des Drehbuchs, die von Menschrechten über Soldatenschicksale bis hin zu Frauen in Führungspositionen reicht, bekommen sie bis zum Schluss nicht in den Griff. Die Handlung wirkt dadurch häufig fahrig und etwas zusammenhangslos. Somit steht und fällt "Whiskey Tango Foxtrot" in erster Linie mit dem Zusammenspiel zwischen Tina Fey und Martin Freeman, die die zu voll gepackte Handlung am Laufen halten. Die beiden Hauptdarsteller liefern sich vor der Kamera nicht nur einen herrlich verbissenen Schlagabtausch, das Publikum nimmt ihnen auch ihre kurze Romanze in Krisenzeiten ab.

Fazit: Die Regisseure Glenn Ficarra und John Requa folgen einer Reporterin durch die abstrusen Wirren eines Kriegsgebiets. Das ist mal schreiend laut, mal nachdenklich leise, häufig pointiert, oft aber auch recht platt. Für eine wirklich gelungene Komödie will "Whiskey Tango Foxtrot" zu viel. Ficarra und Requa werden der Themenfülle des Drehbuchautors Robert Carlock nie ganz Herr. Eine blendend aufgelegte Tina Fey entschädigt im Zusammenspiel mit Martin Freeman jedoch für manch unnötige Pointe.





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