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Willkommen bei Habib
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© www.habib-rhapsody.de

Kritik: Willkommen bei Habib (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Willkommen bei Habib" wurde im vergangenen Jahr größtenteils auf dem Stuttgarter Wilhelmsplatz gedreht. Die ruhige, zentrale City-Lage des Platzes erwies sich als optimaler Standort für Habibs Dönerbude, in der sich die skurrilen Protagonisten treffen, die eines gemeinsam haben: sie alle haben das ein oder andere Problem in ihrem Leben verdrängt, das sich nun wieder meldet und gerne und ein für allemal gelöst werden möchte. Es ist das Regie-Debüt von Filmemacher Michael Baumann, der hierfür einige bekannte Gesichter gewinnen konnte, wie z.B. Vedat Erincin ("Almanya – Willkommen in Deutschland") oder Klaus Manchen ("Das weiße Band"). Alles in allem ist "Willkommen bei Habib" eine harmlose, heitere Tragikomödie mit interessanten Charakteren geworden, die dem Zuschauer einige Lebensweisheiten mit auf den Weg geben will. Bei diesem Unterfangen verhebt sich Regisseur Baumann mitunter, außerdem wirkt der Film durch die Fülle an wichtigen Protagonisten schlicht überladen.

Die Idee, vier völlig unterschiedliche Menschen auf engstem Raum auf irgendeinem Platz in Deutschland mit ihren ganz eigenen, individuellen Problemen - die sich doch im Kern sehr ähneln - konfrontieren zu lassen, ist zunächst mal eine gute. Nicht umsonst wurde das von Michael Baumann und Sabine Westermaier verfasste Drehbuch bereits vielfach ausgezeichnet. Das mehrere Generationen übergreifende Männer-Quartett wird mit seinen längst verdrängten Problemen von früher konfrontiert. Mit bei Seite geschobenen Lebenslügen, mit verdrängten Einzel-Schicksalen. Da ist die aus den Augen verlorene Tochter oder die vor etlichen Jahren sitzengelassene Jugendliebe. Darüber hinaus haben alle vier Männer dasselbe Ziel: sie alle suchen nach innerem Frieden und nach der eigenen, wahren Identität. Glück und Schmerz liegen eng beieinander. Die Gespräche, Unterredungen und Streitigkeiten, die all diese Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit zum Thema haben, gestaltet Regisseur Baumann charmant-hintersinnig und sehr unterhaltsam.

Dem Film hätte die Konzentration auf allerhöchstens drei Schicksale dennoch gut getan. Denn so bissig und scharfzüngig die Gespräche zwischen den Männern auch sind, nach spätestens einer Stunde des Klagens, Jammerns und Streitens stellen sich erste Ermüdungserscheinungen ein. Zu viele Probleme von zu vielen unterschiedlichen Personen. Das verlangt Konzentration und Sitzfleisch. Zu diesem Zeitpunkt hat der Zuschauer immerhin noch eine volle Stunde vor sich.

Die mit auf dem Weg gegebenen Lebensweisheiten, z.B. dass es nie zu spät für eine Veränderung im Leben oder eine Entschuldigung sei und dass man schlicht auf sein Herz hören solle, sind darüber hinaus bereits allseits bekannt und langweilen eher als das sie einem Neues offenbaren.

Fazit: Harmlose, mitunter sehr sarkastische Tragikomödie über vier Verlierer-Typen, die aufgrund der Vielzahl an Protagonisten und Einzelschicksalen zu überfrachtet daherkommt.





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