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Folge meiner Stimme (2014)

Come to my Voice - Were Dengê Min

Spielfilm über ein junges Mädchen und seine Großmutter in einem kurdischen Bergdorf, das von türkischen Soldaten drangsaliert wird.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Berfe (Feride Gezer), ihr Sohn Temo (Tuncay Akdemi) und ihre Enkelin Jiyan (Melek Ülger) leben in einem kurdischen Bergdorf im Osten der Türkei. Das türkische Militär ist in der Gegend zahlreich vertreten und kontrolliert aus Angst vor Terrorismus und Rebellion die Bevölkerung auf Schritt und Tritt. Nachdem der örtliche Kommandant den Tipp bekam, dass die Männer des Dorfes Waffen verstecken, lässt er jedes Haus durchsuchen. Weil die Soldaten keine Waffen finden, nehmen sie alle Männer gefangen, um so von den Angehörigen die Herausgabe der Waffen zu erpressen. Berfe und Jiyan beschließen, sich eine Waffe zu besorgen, um Temo damit freizukaufen. So beginnt ein riskantes Abenteuer mit vielen Rückschlägen, bei dem sie ungewöhnliche Verbündete finden: drei blinde Männer, die als Geschichtenerzähler von Dorf zu Dorf wandern.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der kurdische Regisseur Hüseyin Karabey taucht mit diesem gewitzten Abenteuerfilm in die Kultur und Lebensumstände seines unterdrückten Volkes im Osten der Türkei ein. Die Geschichte eines jungen Mädchens und seiner Großmutter, die eine Waffe auftreiben müssen, um den Vater des Mädchens aus militärischer Gefangenschaft zu befreien, karikiert die von Kriegshandlungen und falschen Verdächtigungen bestimmten Verhältnisse. Die beiden Protagonistinnen führen durch ein Schelmenstück, in dem sich der Widerstandsgeist der schikanierten Menschen spiegelt.

Mit Laiendarstellern in der imposanten Berglandschaft der Osttürkei gedreht, greift der Film auch die Tradition des mündlichen Erzählens auf. Die Abenteuer von Berfe und Jiyan werden von drei Dengbejs, reisenden Barden und Geschichtenerzählern, von Dorf zu Dorf weitergetragen. Der Vortrag dieser Dengbejs, die Karabey als "Vehikel für die unterdrückte Stimme des Volkes" bezeichnet, bildet eine Rahmenhandlung im Film. Auch sonst erzählen sich die Menschen andauernd Geschichten, die Identität schaffen und Orientierung bieten. Jiyan lauscht Berfes Märchen vom Fuchs, der einen neuen Schwanz brauchte, für die Näherin Perlen holen sollte, für die Perlen Eier, für die Eier Weizen. Obwohl sich Berfe und Jiyan auf einen ähnlich umständlichen, wenig aussichtsreichen Weg begeben, verlieren sie nicht den Mut. Sie besuchen ein entlegenes Dorf und eine Stadt, wo sie um Hilfe bitten, wenden sich an einen Schmuggler, steigen zu Fuß auf einen hohen Bergpass, der von türkischen Soldaten kontrolliert wird.

Auf dieser Reise im Zickzackkurs erleben die Zuschauer aus der Perspektive Jiyans die militärischen Kontrollen und Durchsuchungen, die Beschimpfungen und Bedrohungen, denen die Bewohner bei solchen Anlässen ausgesetzt sind. Auf der Fahrt in einem Kleinbus hören die Passagiere kurdische Lieder, doch vor dem nächsten Kontrollposten wird die Musikkassette schnell umgedreht, auf die Seite mit dem türkischen Schlagersänger. Die Gespräche der Dorfbewohner untereinander und die Szenen aus ihrem Alltag schaffen eine authentische, aussagekräftige Atmosphäre. Eingebettet in die eindrucksvolle Landschaft und ab und zu von regionaler Volksmusik begleitet, ist "Folge meiner Stimme" ein unterhaltsam erzähltes Abenteuer, das Interesse und Anteilnahme für die offiziell weitgehend zum Schweigen verdammten Kurden in der Türkei weckt.

Fazit: Der mit Laiendarstellern im Osten der Türkei gedrehte Spielfilm des kurdischen Regisseurs Hüseyin Karabey ermöglicht in der Form eines naiven, die Nähe zur Fabel suchenden Abenteuers tiefe Einblicke in das Leben der Landbevölkerung unter militärischer Bewachung. Die satirisch zugespitzte Suche einer Großmutter und ihrer Enkelin nach einem Ersatz für die Pistole, die der inhaftierte Sohn nie besessen hat, wird mit leisem Humor und viel Lokalkolorit erzählt und greift sehr geschickt die Tradition mündlicher Überlieferungen auf.




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Land: Türkei, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2014
Genre: Drama
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 17.03.2016
Regie: Huseyin Karabey
Darsteller: Tuncay Akdemir als Temo, Selim Bulut als Kasim AGA, Sabahettin DAG als Mayor
Verleih: barnsteiner-film

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