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Der wundersame Katzenfisch
Der wundersame Katzenfisch
© Arsenal

Kritik: Der wundersame Katzenfisch (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In ihrem Spielfilmdebüt erzählt die mexikanische Regisseurin und Drehbuchautorin Claudia Sainte-Luce eine autobiografisch gefärbte Geschichte. Sie lernte selbst als einsame junge Frau eine sterbenskranke, aber fröhliche Mutter kennen, die sie in ihre Familie aufnahm. Die Hauptperson trägt also nicht zufällig den Namen der Regisseurin, und Wendy Guillén spielt sogar sich selbst. Der anrührende Film ist komisch und traurig zugleich, drückt aber nicht auf die Tränendrüse. Im Gegenteil, er verpackt die großen Gefühle rund um Familie, Zusammenhalt und Tod in eine ziemlich alltäglich wirkende Geschichte, in der nüchterne Geschäftigkeit herrscht.

Die einsame Claudia und die überforderte Martha sind als gegensätzliches Freundinnenpaar der emotionale Anker des Films. Um die beiden Frauen, die sich gegenseitig beistehen, scharen sich Marthas vier Kinder. Sie müssen in der Familie helfen und eigene Wünsche zurückstellen, brauchen aber selbst eine Bezugsperson, die sie entlastet und stärkt. Der Film stellt die einzelnen Charaktere näher vor, wenn sie in einen Dialog mit Claudia treten. Dazwischen gibt es Ensembleszenen, in denen fröhliches Durcheinander herrscht. Weil es im Alltag so viel zu managen und zu erledigen gibt, halten die einzelnen Personen ihre Gefühle zurück. Aber Claudia hört zu, und so brechen sich angestaute Ängste und Tränen Bahn.

Der Wechsel zwischen fröhlichen und traurigen Momenten, Trost und Hektik, Nähe und Kompromiss skizziert sehr authentisch, was sich in einer familiären Gemeinschaft abspielt. Jeder findet darin Geborgenheit und stößt auf Einschränkungen. Auf die Außenstehende Claudia wirkt dieses Hin und Her zuerst chaotisch, aber allmählich wird ihr bewusst, wie auch dem Zuschauer, wie gut dieses Netzwerk funktioniert. Auch im Filmtitel drückt sich die originelle, eigenwillige Art aus, in der die Charaktere scheinbar Unvereinbares zusammenführen. Die Ausnahmesituation des Todes und die Angst vor der Zukunft werden ohne großes Drama, fast beiläufig in das normale Leben integriert. Claudia Sainte-Luce beweist mit dieser so leicht erzählten, realistisch wirkenden Geschichte ein gutes Gespür fürs Detail und für die Kraft des Unscheinbaren.

Fazit: Das Spielfilmdebüt der mexikanischen Regisseurin Claudia Sainte-Luce erzählt in leichtem, beiläufigem Ton eine Geschichte über Einsamkeit, Tod, Freundschaft und Familie. Sie berührt mit ihrer lebensbejahenden, pragmatischen Einstellung und dem zärtlichen Blick auf die Figuren.




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